Wie sieht der neue ICE aus?

Nach 30 Jahren bekommt der ICE ein neues Innendesign. Was ist besonders, wie sieht der neue ICE aus?
Das neue ICE-Design, hier die 2. Klasse mit verstellbaren Sitzen. (Foto: DB AG/Max Lautenschläger)
Das neue ICE-Design, hier die 2. Klasse mit verstellbaren Sitzen. (Foto: DB AG/Max Lautenschläger)
Nach fast 30 Jahren bekommt der ICE innen ein neues Design. Wie sieht der neue ICE aus? Welche Kleinigkeiten machen die Reise angenehmer?
 
Mitunter sind es Kleinigkeiten, die Bahnfahrer ärgern. So nerven zum Beispiel Mitreisende, die von der hinteren Reihe aus zuschauen, was man gerade so in den Laptop tippt. Oder die eine Steckdose für die beiden Sitze in der zweiten Klasse ist schon belegt, der Akku leer. Derlei Verstimmungen bereitet die Deutsche Bahn bald ein Ende. Der ICE erhält im Innenraum erstmals seit 1995 ein neues Design. „Der Zug muss zum Menschen passen, nicht umgekehrt”, erläutert Fernverkehrschef Michael Petersen das Leitmotiv der Neuerungen. 

Wie sieht der neue ICE aus?

Mit 900 Probanden haben die Designer ihre Ideen getestet und deren Wünsche aufgenommen. So können Jacken oder Mäntel künftig an einer Halterung am Vordersitz aufgehängt werden statt wie bisher an einem Haken am Fenster, wo Fahrgäste sie sich ständig vom Leib halten müssen. Auch gibt es auf dem kleinen Tisch am Sitz bald eine Halterung für Tablets. 
 
Deutlich spürbar sind Verbesserungen an den Sitzen selbst. Sie sollen ein Gefühl von „Wohnzimmer” vermitteln, wie Bahnchef Richard Lutz sagt. Der dunkelblaue Stoffbezug wird zu 85 Prozent aus Wolle gefertigt, die Lücke zwischen den Rücksitzen ebenso geschlossen wie die zwischen den Sitzflächen. So entsteht der Eindruck einer durchgehenden Bank. Der positive Nebeneffekt: Mitreisende auf der Sitzreihe dahinter können nicht mehr verfolgen, was gerade auf dem Laptop geschrieben oder welcher Film gerade gesehen wird. „Ich kann mir als Gast ein Nest bauen”, schwärmt Peterson. 
In der ersten Klasse sieht es edler aus. Auch hier sind die Sitze künftig mit Wollgewebe bezogen, allerdings in einem Grauton. Holzdekors erzeugen einen warmen Eindruck. Vielfahrer werden sich allerdings vor allem über eine technische Änderung freuen. Die Sitzflächen können nach vorne geschoben werden, ohne dass die Rückenlehne automatisch zurückfällt. Die Sitze müssen erstaunlich strapazierfähig sein. Laut Bahn ertragen sie eine Milliarde Stunden die Last von Reisenden. Sie müssen mehrere Jahrzehnte halten, wie die Züge selbst.
Erneuert werden auch Farb- und Formgebung in den Bordrestaurants. Helles Holz und in Burgundy gehaltene Bezüge sollen Gemütlichkeit vermitteln. Ecken werden beim Mobiliar gerundet. Es gibt eine Bar mit Barhockern oder Tische um die sich kleine Gruppen scharen können. 

Ende 2023 sollen die neuen ICEs kommen

Noch gibt es nur das Design. Bis die Bahnkunden die neue Bequemlichkeit erleben können, dauert es noch eine Weile. Ende 2023 kommen die damit ausgestatteten ersten ICE 3neo aufs Gleis. Danach sollen alle neuen Züge das modernisierte Interieur erhalten. „Die Bestandsflotte wird nicht umgebaut”, erläutert Peterson. Die älteren Züge rollen also weiter mit ihren kleinen Unzulänglichkeiten durch das Land. Die Bahn arbeitet noch an einer weiteren Verbesserung. Das Reservierungssystem soll so gestaltet werden, dass einzelne Bereiche in den Zügen speziellen Interessen entgegen kommen. Dazu gehören Familien- oder Arbeitsbereiche, aber auch Waggons, die eher Fahrgästen in Feierlaune entgegen kommen. Details dazu nannte das Unternehmen noch nicht. 
 
Der moderne Antlitz soll Bahnfahren für die Kunden attraktiver machen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll sich die Zahl der Reisenden verdoppeln. Lutz ist überzeugt, dass dieses Ziel trotz aller Schwierigkeiten noch erreicht werden kann. „Entscheidend ist die Frage, wie schnell es gelingt, die Infrastruktur auszubauen”, sagt er. Denn das Schienennetz ist jetzt schon überlastet. An Fahrzeugen oder Personal mangele es nicht, betont der Bahnchef. So stockt die Bahn ihre ICE-Flotte kräftig auf. Waren vor fünf Jahren nur 260 der Flaggschiffe des Konzerns im Einsatz, werden es Ende dieses Jahres 360 sein. Bis zum Ende des Jahrzehnt kommen noch einmal 90 Züge dazu. Den Kapazitätsengpässen begegnet die Bahn unter anderem mit längeren Zügen, die über 900 Passagiere aufnehmen können. „Die Wachstumsziele sind erreichbar”, versichert Lutz.
 
Doch an Schwierigkeiten herrscht kein Mangel. Die Pünktlichkeit hat im April wieder einmal einen Tiefstand erreicht. Nicht einmal sieben von zehn Zügen hielten den Fahrplan ein. Viele Baustellen und Engpässe an den Knotenbahnhöfen machen der Bahn zu schaffen. Da ist es eher zweitrangig, wie der neue ICE aussieht. Eine weitere Herausforderung kommt Anfang Juni auf das Unternehmen zu. Im 9-Euro-Ticket sieht Peterson zwar eine große Chance, für den Schienenverkehr die Werbetrommel zu rühren. Doch die Rabattaktion wird zu Lasten des Fernverkehrs gehen, weil ICE und IC darin nicht einbezogen worden sind. 
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