Was ist Swift? Und was bedeutet Russlands Ausschluss?

Ohne das Swift-System geht wenig in der Finanzbranche. Wird der Zugang gesperrt, sind internationale Geldgeschäfte praktisch unmöglich.
Durch das Swift-Verfahren sind zuverlässige Bankgeschäfte erst möglich. (Foto: Dylan Gillis)
Durch das Swift-Verfahren sind zuverlässige Bankgeschäfte erst möglich. (Foto: Dylan Gillis)

Wegen des Krieges in der Ukraine hat der Westen Sanktionen verhängt und russische Banken vom Zahlungssystem Swift ausgeschlossen. Es handelt sich dabei um jene Banken, die bereits von anderen Sanktionen betroffen sind. Komplett wird Russland nicht abgeklemmt. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Sanktion sind hart und treffen beide Seiten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist Swift?

Swift ist eine Genossenschaft mit Sitz im belgischen La Hulpe südöstlich von Brüssel. Sie unterliegt europäischem Recht. Der Name steht für Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (etwa Gesellschaft für weltweite Fernkommunikation zwischen Banken). Das Unternehmen ist ein (Kurz-)Nachrichtendienst, eine Art sehr sicheres Whatsapp für Banken. Swift betreibt auch ein eigenes Datennetz sowie drei Datenzentren – in den USA, Belgien und der Schweiz. Das Angebot wird von mehr als 11.000 Finanzinstituten weltweit genutzt, darunter die größten der Welt und die Notenbanken. Swift ist kein Zahlungsabwickler, vereinfacht Zahlungen aber so, dass sie automatisiert möglich sind.

Was ist das Besondere an Swift?

Swift hat international eine Art Monopol. Die Genossenschaft hat eigene, weltweit geltende Standards und Formate für Nachrichten entwickelt, die die Banken automatisch verarbeiten können. Diese Nachrichten werden äußerst schnell übertragen und sind sehr sicher. Zudem ist klar, wer die Nachricht wann von wo an wen wohin gesendet hat und wann sie dort angekommen ist. Eine solche Nachricht kann sehr vereinfacht sein: Kunde A der Bank X überweist 300 Euro an Kunden B bei Bank Y.

Wie funktioniert Swift?

Über das System können Nachrichten von einer Bank zur anderen geschickt werden. Als Absender- oder Empfängeradresse dient der BIC, der Business Identifier Code, der für jede Bank weltweit einmalig ist. Die Europäische Zentralbank hat zum Beispiel ECBDEFF. Ein sehr vereinfachtes Beispiel: Erika Muster möchte die Anzahlung für das Ferienhaus im Sommer an Jean Dupont überweisen. Sie füllt beim Onlinebanking ihrer Bank A die entsprechende Maske aus und klickt den Überweisen-Knopf. Im Hintergrund wird eine Standard-Swift-Nachricht mit BIC der Absender- und der Empfängerbank sowie allen wichtigen Eckdaten erzeugt, die besagt, dass Erika Muster 300 Euro an Jean Duponts Konto bei Bank B überweist. Bank A bucht daraufhin automatisiert Geld an ein Konto der Bank B, die wiederum Geld auf das Konto von Jean Dupont bucht. Standardisierte Nachrichten gibt es auch für andere Geschäfte wie Aktienkäufe, oder Großüberweisungen zwischen Banken. Je Art werden täglich etwa 40 bis 50 Millionen Nachrichten versandt. Entsprechend groß ist die Zahl automatisch damit verknüpfter Geldgeschäfte. 

Warum ist Swift so wichtig?

Die Nachricht von einer Überweisung lässt sich auch per E-Mail oder Brief oder sogar Whatsapp übertragen. Das Empfängerinstitut muss dann prüfen, ob der Absender echt ist, die Unterschrift stimmt, die Person überhaupt für die Überweisung qualifiziert und berechtigt ist. Der Aufwand ist sehr hoch. Gerade weil Swift sichere standardisierte Nachrichten anbietet, die Computer ohne Zutun von Mitarbeitern verarbeiten können, sind schnelle und zuverlässige Bankgeschäfte überall auf der Welt überhaupt erst möglich.

Was bedeutet der Ausschluss fast aller russischer Banken aus Swift?

Diese Banken können de facto keine internationalen Geschäfte mehr machen. Das trifft die russische Wirtschaft schwer. Die westliche Staatengemeinschaft will bisher aber nicht ganz Russland ausschließen. Hintergrund sind unter anderem die Gas- und Öllieferungen an Europa. Ohne Zugang zu Swift müssten Boten mit Koffern voller Geld nach Russland reisen, um zu bezahlen.

Warum ist es für Russland ein Problem, komplett ausgeschlossen zu werden?

Ohne Swift gibt es keine Geldgeschäfte mit dem Ausland mehr. Das Land wäre auf einen Schlag abgeschnitten von den Nachrichten, damit sind automatisierte Zahlungen nicht mehr möglich. Das bedeutet: Rechnungen zum Beispiel für Gas- und Öllieferungen können nicht mehr bezahlt werden. Das träfe Russland besonders, weil das Land sehr stark von diesen Einnahmen abhängig ist. Zudem würden Lieferungen nach Russland gestoppt, weil russische Käufer Rechnungen nicht mehr begleichen können. Der Handel wäre praktisch blockiert. Betroffen wären auch Wertpapiergeschäfte und Überweisungen von Privatleuten oder humanitären Einrichtungen. Russland hätte zudem keinen Zugriff mehr auf Auslandsvermögen. 

Swift: Welche Folgen hat ein kompletter Ausschluss für Deutschland?

Sind Zahlungen mit Russland nicht mehr möglich, trifft das auch die deutsche Wirtschaft. Deutschland hat im vergangenen Jahr Waren im Wert von 33,1 Milliarden Euro aus Russland importiert – zu 59 Prozent Gas und Öl. Russland kaufte Produkte, besonders Maschinen und Autos, im Wert von 26,6 Milliarden Euro. Das Land zählt mit 2,3 Prozent Anteil am Außenhandel bisher zu den 15 wichtigsten Außenhandelspartnern. Viele deutsche Unternehmen produzieren in Russland oder haben traditionell enge Wirtschaftskontakte wie Siemens. Der Gas- und Ölförderer Wintershall Dea ist an mehreren Gasfeldern in Russland beteiligt.

Was bedeutet ein solcher Ausschluss für die Menschen in Russland?

Geld aus Deutschland an die Oma in Jekaterinburg zu schicken, wird praktisch  unmöglich. Weil Swift auch innerhalb Russlands genutzt wird, trifft ein Ausschluss auch den Finanzverkehr zwischen russischen Banken. Wie sehr, lässt sich nur schwer abschätzen. Denn es existiert ein eigenes, innerrussisches System. Das ist nichts Besonderes: Auch innerhalb der EU einschließlich Großbritannien, Island, Norwegen und der Schweiz wird mit Sepa (Single Euro Payments Area, einheitlicher europäischer Zahlungsraum) ein eigenes System außerhalb von Swift genutzt.

Wie oft werden Länder von Swift ausgeschlossen?

Bisher sind nur zwei Länder komplett von Swift ausgeschlossen: Nordkorea seit 2017 als Reaktion auf das Atomprogramm des Landes. Und der Iran seit 2012 ebenfalls wegen des Atomprogramms. Die Wirtschaft der jeweiligen Länder litt dramatisch unter dem Ausschluss. Auch Afghanistan hat keinen Zugang mehr zu Swift.

Wem gehört Swift und wer entscheidet über den Ausschluss?

Eigentümer von Swift sind die Banken, die die Dienste nutzen. Die Genossenschaft wurde 1973 gegründet, um das Telex-Verfahren, mit dem sich die Institute weltweit verständigten, automatisieren zu können. Über einen Ausschluss müssen die Anteilseigner von Swift abstimmen – im Fall von Sanktionen eine Formalie. Dem politische Druck, entsprechend zu entscheiden, konnten sich die Genossen auch im Fall des Iran nicht entziehen.

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