Berkshire Hathaway: Warren Buffetts dreckige Geschäfte

Beim Klimaschutz ist Starinvestor Warren Buffett kein Vorbild: Sein Unternehmen Berkshire Hathaway ist einer der größten CO2-Emittenten der USA.
Warren Buffett im Weißen Haus 2011. (Foto: Official White House Photo by Pete Souza)
Warren Buffett im Weißen Haus 2011. (Foto: Official White House Photo by Pete Souza)

In den Weiten Wyomings, an den Ausläufern der Rocky Mountains, liegt eine winzig kleine Gemeinde: keine fünf Quadratkilometer groß. Wer auf dem Lincoln Highway fahre, berichtet ein Journalist, dürfe sprichwörtlich nicht blinzeln, sonst hätte er Point of Rocks schon verpasst. Als die Statistiker vor mehr als 20 Jahren zum letzten Mal dort vorbeischauten, registrierten sie drei offizielle Einwohner in zwei Häusern: die Varley-Family.

In der Realität ist es nicht ganz so einsam, wie man daraus schließen könnte. Immerhin verkauft in Point of Rocks eine Tankstelle Sprit an Autofahrer, es gibt ein Motel, einen kleinen Supermarkt und ein paar Häuser. Wer sich in die Tage des Wilden Westens zurückversetzen lassen will, kann sich auf die Spuren des Outlaw Butch Cassidy begeben oder die alte Bahnhofsstation an einer der frühen Eisenbahnlinien der USA besuchen.

In der Einsamkeit steht das gewaltige Kohlekraftwerk Jim Bridger

Neben Butch Cassidy gibt es aber noch einen Grund, an diesen abgelegenen Ort – die nächstgrößere Gemeinde ist 40 Kilometer entfernt – zu fahren. Und der liegt etwas weiter nördlich, nahe des Bridger Pond Parks, wo Angler Flusskrebse fangen und an schönen Tagen Menschen im See baden. Dort schmaucht und raucht das Kohlekraftwerk Jim Bridger. Aus seinen Schornsteinen bläst das Kraftwerk tonnenweise Kohlen- und Schwefeldioxid, Stickstoffoxide und Quecksilber. Der gleichnamige Tagebau liefert die Kohle.

Besitzer des Kraftwerks sind die Unternehmen PacifiCorp (67 Prozent) und Idaho Power (33 Prozent). PacifiCorp wurde 2006 von MidAmerican Energy gekauft. Dieses Unternehmen gehört wiederum zu Berkshire Hathaway – dem Konglomerat des Starinvestors Warren Buffett. In dessen Portfolio macht das Kraftwerk Jim Bridger einen fetten Klimaabdruck. Es ist die mit Abstand dreckigste Anlage Buffetts.

Jim Bridger hat laut einer Untersuchung der Universität von Massachusetts Amherst 2019 11,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen (also CO2 und andere Treibhausgase). Damit verursachte das Kraftwerk 15,4 Prozent der gesamten Treibhausgase von Berkshire Hathaway. Ähnlich schmutzig sind noch die Kohlekraftwerke Hunter in Utah (11,4 Prozent) und Walter Scott Jr Energy Center in Iowa (10,7).

Klimaschutz: Berkshire Hathaway ist eines der schmutzigsten Unternehmen der USA

Alle drei Kraftwerke tragen dazu bei, dass Berkshire Hathaway eines der schmutzigsten Unternehmen der Vereinigten Staaten ist. Im Treibhausgas-Ranking der Universität von Massachusetts Amherst liegt es auf dem vierten Platz hinter drei Energiefirmen. Die Wissenschaftler rechnen dem Unternehmen 1,1 Prozent aller Treibhausgasemissionen der Vereinigten Staaten zu. Damit liegt Berkshire Hathaway weit vor deutlich unpopuläreren Unternehmen wie den Ölkonzernen ExxonMobil oder Chevron.

Die Daten, auf die sich die Untersuchung stützt, müssen die Unternehmen der US-Umweltbehörde EPA melden. Generell scheint man bei Berkshire Hathaway aber zu wissen, dass man mit Umweltdaten nicht viel zu gewinnen hat. Der Konzern beteiligt sich nicht am renommierten Carbon Disclosure Project, das Unternehmen dabei begleitet, ihre Treibhausgas-Emissionen offenzulegen. Andere Konzerne wie Danone, Philip Morris, Deutsche Telekom, Ford oder Toyota sind da längst dabei.

Berkshire Hathaway stemmt sich gegen Klimabilanz

Auch auf den Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway werden Anträge regelmäßig abgelehnt, die Klimabilanz des Unternehmens offenzulegen. Zuletzt im Mai 2021. Den Antrag stellte der milliardenschwere Staatsfonds von Kalifornien, also nicht etwa Greenpeace oder ein klimabewusster Kleinaktionär. Tatsächlich nimmt der Druck großer Finanzmarktakteure auf Unternehmen zu, Klimarisiken offenzulegen. Die Rechnungslegungsorganisation IFRS will Standards dafür etablieren.

Buffett bezeichnet den Klimawandel zwar als eine Bedrohung für die Menschheit. Er hält es aber für unklar, welche Auswirkungen die Temperaturerwärmung auf die Geschäfte von Berkshire Hathaway haben wird. Und er betrachtet die Bekämpfung des Klimawandels als ein politisches Problem, das seine Geschäftsentscheidungen nicht beeinflussen sollte. So hat er es immer mit seinen Unternehmen gehalten.

Warren Buffett ist der vermutlich populärste Superreiche

Warren Buffett ist für viele Menschen, die an der Börse sind, gerne reich wären oder als Geschäftsleute erfolgreich sein möchten, ein großes Vorbild. Schon als Schüler hat er sehr profitable Geschäfte gemacht, war Mitte zwanzig Millionär und hat aus der Übernahme einer Textilfabrik ein milliardenschweres Imperium aufgebaut. Die Aktie von Berkshire Hathaway ist heute die teuerste Aktie der Welt. Ein Anteilsschein ist fast eine halbe Million Euro wert (keine Sorge, es gibt auch noch eine günstigere Variante).

Buffets Weisheiten zu klugem Investieren sind millionenfach aufgegriffen worden. Und dass der Milliardär seit Jahrzehnten in einem für Superreiche bescheidenen Haus in Omaha wohnt – im Zentrum der USA, fernab glamouröser Zentren an Ost- und Westküste -, am liebsten Burger isst und Cola trinkt, und die jährliche Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in ein Volksfest verwandelt, bringt ihm zusätzliche Sympathiepunkte ein.

Auch ist der Milliardär, der laut Bloomberg zu den zehn reichsten Menschen der Welt gehört, bei Linken und Kapitalismuskritikern durchaus wohlgelitten. Schließlich fordert Buffett immer wieder öffentlich, die Superreichen höher zu besteuern. Er hält es für einen Witz, dass sein persönlicher Steuersatz niedriger ist als der seiner Sekretärin. Außerdem will Buffett den größten Teil seines Vermögens spenden statt es zu vererben.

Tochterunternehmen von Berkshire Hathaway treiben Klimaschutz voran

Beim Thema Umweltschutz taugt der Milliardär hingegen nicht als Vorbild. Zwar ist das Thema nicht ganz spurlos an Berkshire Hathaway vorbeigezogen. Buffett hat einen Sustainability Leadership Council eingerichtet. Dieser Rat versammelt Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Tochterunternehmen von Berkshire Hathaway, die sich bemühen, Nachhaltigkeit voranzubringen. Er soll andere Tochterunternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer jeweiligen Nachhaltigkeitsstrategien unterstützen.

Die 14 in dem Rat vertretenen Tochterunternehmen streben laut Berkshire Hathaway Klimaneutralität an, entwickeln nachhaltige Kraftstoffe, reduzieren den Wasserverbrauch und erhöhen die Ressourceneffizienz. Aber es sind eben nur 14 Unternehmen in einem Konglomerat mit mehr als 60 direkten Tochterunternehmen. Hinzu kommen mehr als 40 Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen.

Wer auf Klimaschutz wert legt, muss auf Berkshire Hathaway verzichten

Widersprüchlichkeiten sind die Folge: So muss der Versicherungszweig von Berkshire Hathaway Schäden durch Waldbrände oder Überschwemmungen abdecken. Zudem bietet er sogenannte “Super-Cats” an. Gemeint sind nicht Riesenkatzen, sondern Versicherungen gegen Monster-Katastrophen.

“Super-Cats” werden von Rückversicherungen gekauft, denen bestimmte Risiken zu heikel sind. Und schon Rückversicherungen tragen Risiken, die gewöhnlichen Versicherungen zu heiß sind. Buffett übernimmt also das ultimative Risiko. Es gibt neben ihm kaum jemanden, der überhaupt solche “Super-Cats” anbietet.

Eine Herausforderung wird der Klimaschutz auch für das Privatjetbusiness von Berkshire Hathaway: Netjets stellt Privatflieger für Reiche und Top-Manager bereit. Ebenso werden die Stahlfabriken in Buffets Portfolio klimaneutral werden müssen. Andererseits ist Berkshire Hathaway auch Anteilseigner des Elektroautoherstellers BYD und betreibt Windparks.

Unter dem Strich bleibt Berkshire Hathaway derzeit aber eines der schmutzigsten Unternehmen der USA. Wer bei seinen Investitionen auf den Klimaschutz achtet, der muss einen Bogen um Berkshire Hathaway machen und auf das Geschäftstalent von Warren Buffett und die Stabilität eines stark diversifizierten Konzerns verzichten.

Streit mit der Umweltbehörde wegen Jim Bridger

Um das Kohlekraftwerk Jim Bridger ist übrigens ein hitziger Streit entbrannt. Es geht um den Ausstoß von Stickstoffoxiden (NOx). Sie verursachen Atemwegserkrankungen wie Asthma, führen zu saurem Regen und Smog in den Nationalparks von Wyoming. Deshalb verlangt die US-Umweltbehörde laut Medienberichten, dass Säuberungstechnologien in die Blöcke 1 und 2 des Kraftwerks eingebaut werden.

Buffetts Manager haben das als zu teuer abgelehnt. Stattdessen haben sie vorgeschlagen, dass die Leistung des Kraftwerks so weit gedrosselt wird, dass auch der Stickstoffoxid-Ausstoß auf das erlaubte Limit sinkt. Sie argumentieren, dass es sich finanziell nicht lohne, in Blöcke zu investieren, die 2024 auf Gas umstellen sollen. Der Staat Wyoming hat sich darauf eingelassen. Die US-Umweltbehörde EPA lehnt sie ab.

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