Fliegen könnte sehr viel teurer werden

Der Flugverkehr normalisiert sich nur langsam. Die Flughäfen stecken weiter tief in den roten Zahlen – etwa jede vierte Anstellung ist gefährdet.
Seit Beginn der Pandemie bleiben viele Flugzeuge auf dem Rollfeld. (Foto: Oliver Roesler, Deutsche Lufthansa AG)
Seit Beginn der Pandemie bleiben viele Flugzeuge auf dem Rollfeld. (Foto: Oliver Roesler, Deutsche Lufthansa AG)
Fliegen könnte für Touristen und Geschäftsreisende in den kommenden Jahren deutlich teurer werden. Preistreibend wirken nach Angaben des Flughafenverbands ADV staatliche Eingrifffe zum Klimaschutz. Die Luftverkehrssteuer, eine Kerosinsteuer, CO2-Zertifikate und eine Beimischung von nachhaltigen Kraftstoffen beim Flugbenzin würden deutlich höhere Ticketpreise nach sich ziehen, warnt ADV-Chef Stefan Schulte. Bei einem Flug von Düsseldorf nach Mallorca schlagen diese Instrumente laut ADV mit 82 Euro Mehrkosten durch, bei der Reise von Frankfurt nach Peking kämen fast 200 Euro dazu.
 
Diese Mehrkosten sind Bestandteile des EU-Programms „Fit for 55″. Der ADV sieht darin eine massive Wettbewerbsverzerrung. Denn bei Zubringerflügen zu außereuropäischen Drehkreuzen werden weder Kosten für den Emissionshandel noch Steuern für Kerosin erhoben. Die Folge ist laut Schulte, dass Flüge über diese Airports preiswerter angeboten werden, als Direktverbindungen zum Reiseziel. „Das ist eine Förderung der Flughäfen im mittleren und fernen Osten, ohne dass mehr Klimaschutz erreicht wird”, kritisiert Schulte, der auch Chef des Frankfurter Drehkreuzes ist.
 
Vorkrisenniveau voraussichtlich wieder 2025 erreicht
Den 30 Verkehrsflughäfen in Deutschland könnten damit noch mehr Passagiere abhanden kommen. Dabei erholen sie sich langsam von der Corona-Krise. In diesem Sommer fertigten sie doppelt so viele Fluggäste ab wie im vergangenen Jahr. Dennoch liegt das Niveau gerade einmal bei etwas mehr als der Hälfte von 2019. Immerhin kommt der Ferienreiseverkehr wieder in Gang und auch Geschäftsreisende setzen sich wieder häufiger in den Flieger. 
 
„Wir erwarten, dass wir 2025 das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben”, erläutert etwa der Berliner Flughafenchef Engelbert Lüdge-Daldrup. Die Zahlen des Hauptstadtflughafens belegen die Misere. Im Vorjahr der Pandemie durchliefen 35,6 Millionen Passagiere die Kontrollen an den Berliner Flughäfen. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 9,1 Millionen, in diesem Jahr werden es wohl zehn Millionen sein.
 
Jeder zehnte Job wurde bereits gestrichen
In der Folge der Krise im Luftverkehr schreiben die Verkehrsflughäfen tiefrote Zahlen. Nach einem Verlust von über zwei Milliarden Euro im vergangenen Jahr erwartet der ADV in diesem Jahr ein Minus von 1,5 Milliarden Euro. „Wir sind immer noch in arger wirtschaftlicher Bedrängnis”, stellt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel fest.Der Verband pocht daher auf weitere Staatshilfe. Die Kurzarbeiterregelung müsse verlängert werden, sagt Beisel. Insgesamt zählen die Airports 38.000 Beschäftigte. Dazu kommen weitere 140.000 rund um den Flugbetrieb. Jeder vierte Job ist laut Beisel gefährdet, jeder zehnte wurde bereits gestrichen.

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