Bahn: 678 Suizide auf der Schiene in 2020

Im Corona-Jahr 2020 gab es mehr Schienensuizide. Für die Lokführer und Lokführerinnen der Bahn sind das traumatische Erlebnisse.
Suizide auf der Schiene sind für Lokführerinnen und Lokführer traumatisch. (Foto: Irina Iriser)
Suizide auf der Schiene sind für Lokführerinnen und Lokführer traumatisch. (Foto: Irina Iriser)

Es ist der Horror jedes Lokführers und jeder Lokführerin: Menschen, die sich vor einen Zug werfen, um ihr Leben zu beenden. Im Jahr 2020 gab es in Deutschland 678 Suizide auf der Schiene. Zudem kamen 137 Menschen bei Unfällen ums Leben. Das geht aus einem Bericht des Eisenbahnbundesamtes hervor, den Journalistico ausgewertet hat. Zudem zählte die Bonner Aufsichtsbehörde 88 versuchte sogenannte Schienensuizide. Die Zahlen betreffen nicht nur die Deutsche Bahn, sondern den Eisenbahnverkehr in Deutschland insgesamt.

Im Corona-Jahr ist die Zahl der Selbsttötungen auf der Schiene somit im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen. Für 2019 weist das Eisenbahnbundesamt 646 Suizide und 103 Versuche aus. Damals war nach einem mehrjährigen Rückgang ein Tiefstand erreicht worden. 2016 waren noch fast 800 Schienensuizide gezählt worden.

Schienensuizid ist mit großen Risiken verbunden

Große Betroffenheit löste 2020 die Selbsttötung des damaligen hessischen Finanzministers Thomas Schäfer aus. Die Leiche des CDU-Politikers war am 28. März an einer ICE-Strecke bei Hochheim (Hessen) gefunden wurden. Offenbar sollen Schäfer die Sorgen wegen der Corona-Krise erdrückt haben. Er soll die Situation für ausweglos gehalten haben, so berichteten es seine Frau und Kollegen.

Der Schienensuizid gilt als unsicher, weil er vergleichsweise häufig scheitert. Nicht selten müssen die Überlebenden mit abgetrennten Gliedmaßen weiterleben. Außerdem bestehen erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken. Der Versuch der Selbsttötung auf der Schiene ist eine Straftat. Der Suizident respektive seine Erben sind zudem schadenersatzpflichtig.

Suizide ruinieren das Leben der Lokführerinnen und Lokführer

Für die Lokführerinnen und Lokführer der Bahn und anderer Eisenbahnunternehmen sind Selbsttötungen traumatische Erlebnisse. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Laufe ihres Berufslebens in einen Suizid verwickelt werden, ist hoch. Viele von ihnen können danach nicht wieder in den Führerstand zurückkehren und leiden für den Rest ihres Lebens unter dem Unglück. In einer Umfrage der Gewerkschaft GDL berichteten manche auch, dass sie nach einem Unglück keine ausreichende Unterstützung des Arbeitgebers bekommen hätten.

Die Bahn hat an Stellen, wo es in der Vergangenheit besonders häufig zu Suiziden kam, Vorkehrungen getroffen, um diese zu verhindern. Außerdem wurde die Präventionsarbeit zahlreicher Organisationen intensiviert, wodurch die Zahl der Suizidversuche gesenkt werden konnte. Die Medien legen sich Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Suizide auf, um Nachahmungen zu vermeiden.

Suchen Sie Hilfe bei anderen Menschen, wenn Sie verzweifelt sind und Ihnen ihre Situation ausweglos erscheint. Sprechen Sie mit Familienangehörigen oder Freunden oder wenden Sie sich an professionelle Beratungsangebote. In seelische Krisen zu geraten, ist nichts Unnormales, sagen Psychologen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der Rufnummer 0800/1110111 erreichbar.

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