Wie setzt man einen Stop Loss richtig?

Stop Loss, Stop Limit und Trailing Stop können sinnvolle Instrumente an der Börse sein. Aber nur, wenn sie richtig eingesetzt werden.
Der Börsen-Butler beantwortet Fragen zu Aktien. (Foto: Towfiqu Barbhuiya)
Der Börsen-Butler beantwortet Fragen zu Aktien. (Foto: Towfiqu Barbhuiya)

Wer Aktien kaufen möchte und dazu ein Online-Depot eröffnet, wird bald auf einige kryptische Begriffe stoßen. Und das ganz unabhängig davon, ob er oder sie Kunde bei Trade Republic, Flatex, Degiro oder Comdirect ist. Die Rede ist von Stop Loss, Stop Limit oder auch dem Trailing Stop. Was bedeuten diese Begriffe? Wie setzt man einen Stop Loss richtig? Und helfen diese Instrumente, richtig Aktien zu kaufen?

Um es vorwegzunehmen: Der Börsen-Butler ist kein Fan von Stop Loss und Stop Limit und nutzt diese Möglichkeiten so gut wie nie. Warum, wird in diesem Text noch erläutert.

Doch zunächst einmal zu den Basics. Und die beginnen damit, dass es sich bei den Begriffen Stop Loss, Stop Limit oder Trailing Stop allesamt um unterschiedliche Ordertypen handelt. Also um verschiedene Kriterien, nach denen ein Kauf- oder auch Verkauf eines Wertpapiers ausgeführt wird. Schauen wir uns das mal genauer an.

Was ist ein Stop Loss?

Ein Stop Loss ist eine Verkaufsanweisung für den Broker. Du teilst ihm damit, dass er ein bestimmtes Wertpapierverkaufen soll. Aber nicht sofort und nicht einfach nur so. Sondern dann, wenn der Kurs dieses Wertpapiers unter ein bestimmtes Niveau fällt. Wie der Name sagt, willst Du mit einem Stop Loss nämlich deine Kursverluste begrenzen. Es wird quasi die Reißleine gezogen, um Schlimmeres zu verhindern. Der Kurs, zu dem eine Stop-Loss-Order ausgelöst wird, legst Du zuvor selbst fest.

Doch Achtung: Nur weil man festgelegt hat, ab welchem Kurs die Aktie verkauft werden soll, heißt das nicht, dass man genau diesen Kurs bekommt. Die Aktie wird vielmehr zu dem Kurs verkauft, der am Markt gerade geboten wird. Legt man als Stop-Loss-Kurs zum Beispiel 112 Euro fest, es gibt aber nur einen Käufer, der 106 Euro zahlen will, so geht die Aktie für 106 Euro weg. Also nochmal deutlich tiefer.

Aus diesem Grund findest Du den Stop Loss in deiner Handelsapp zum Beispiel auch unter dem Begriff Stop Market: Bei einem bestimmten Kurs wird die Aktie ausgestoppt und zum aktuellen Marktpreis verkauft. Wenn Du nicht zu jedem beliebigen Marktkurs verkaufen willst, gibt es dafür eine Lösung. Die ich dir jetzt erkläre.

Was ist der Unterschied zwischen Stop Loss und Stop Limit?

Ein Stop Limit funktioniert ähnlich wie ein Stop Loss. Auch hier legst Du fest, ab welchem Kurs eine Aktie verkauft werden soll. Allerdings vermeidet man hiermit, dass die Aktie zu jedem beliebigen Marktpreis losgeschlagen wird. Stattdessen besagt der Ordertyp Stop Limit, dass die Aktie zu einem Mindestkurs verkauft werden muss.

Man kann also festlegen, dass eine Aktie verkauft werden soll, wenn sie zum Beispiel unter den Kurs von 112 Euro fällt. Zugleich legt man fest, dass man mindestens 108 Euro für die Aktie bekommen will. Wenn es jetzt nur ein Kaufangebot zu 106 Euro gibt, wird die Aktie nicht verkauft. Erst wenn jemand mindestens 108 Euro bietet, wechselt die Aktie den Besitzer.

Der Stop Limit hat also den Vorteil, dass man nicht riskiert, seine Aktien zu einem Spottpreis zu verschachern. Andererseits kann das Limit natürlich den Verkauf komplett verhindern. Dann kann es passieren, dass die Aktie immer weiter fällt und zum Beispiel erst bei 80 Euro zum Halten kommt. Die Chance, zu 106 Euro zu verkaufen, ist dann vertan.

Wie setzt man einen Stop Loss richtig?

Diese Frage stellen sich viele Menschen. Und es gibt keine echte Antwort darauf. Ein entscheidendes Kriterium ist die Risikobereitschaft. Wenn man schnell die Nerven verliert, setzt man den Stop Loss enger. Wenn man stärkere Kursstürze erträgt, großzügiger.

Hinzu kommt die Frage, wie volatil eine Aktie für gewöhnlich ist. Manche Papiere schwanken stärker, andere weniger. Das kann man am Kurs ablesen. Üblicherweise ist die Volatilität der Kurse von Wachstumsaktien stärker als die von etablierten Konzernen. Da man nicht ausgestoppt werden will, nur weil die Kurse im üblichen Rahmen schwanken, setzt man die Limits also bei ersteren großzügiger als bei letzteren.

Beim Versuch, den Stop Loss richtig zu setzen, kann man auch gucken, wo prägnante Tiefs im Kurs sind. Werden diese unterschritten, kann man das unter Umständen als Alarmsignal betrachten, dass die Dinge schieflaufen und dort den Stop Loss setzen.

Technische Trader orientieren sich an Indikatoren wie dem RSI, setzen auf Stochastik oder die 50-Tage-Linie. Das dürfte viele gewöhnliche Anlegerinnen und Anleger aber überfordern.

Wie sinnvoll ist ein Stop Loss?

Die Sinnhaftigkeit von Stop Loss (Stop Market) und Stop Limit ist umstritten. In vielen Ratgebern wird den Anlegerinnen und Anlegern empfohlen, diese Instrumente zu nutzen. Ob das so pauschal wirklich der richtige Ratschlag ist, lässt sich bezweifeln. Ob ein Stop Loss sinnvoll ist, hängt in den Augen des Börsen-Butlers stark von der Strategie ab.

Wer auf kurzfristige Trends setzt und sich gegen unerwartete Kursstürze absichern will, für den sind die Instrumente möglicherweise nützlich. Bei langfristigen Anlegerinnen und Anlegern muss man das hinterfragen. Wer langfristig investiert, tut das deshalb, weil er davon überzeugt ist, dass das Unternehmen auf zehn oder 20 Jahre hinaus eine gute Zukunft haben wird. Absicherungen gegen kurzfristige Kursschwankungen widersprechen eigentlich der Philosophie dieser Strategie. Die erträgt der langfristige Anleger einfach.

Was sind die Nachteile von Stop Loss & Co?

Wer mit Stop Loss und Stop Limit operiert, kann seine Verluste minimieren. So gesehen kontrolliert er das Geschehen. Andererseits gibt er auch Kontrolle ab. Denn das System handelt starr nach seinen Vorgaben. Ganz unabhängig vom Kontext, also den Gründen für einen Kurssturz. Die können vielfältig sein: Von einem allgemeinen Marktcrash über schlechte Unternehmensnews bis zu Kursmanipulationen. Das birgt auch Risiken.

Die Börse ist sehr schnelllebig geworden. Dass Aktienkurse mal zehn, 15 oder auch 20 Prozent abstürzen und sich dann gleich wieder ein gutes Stück erholen, ist keine Seltenheit mehr. Das hängt auch daran, dass ein großer Teil des Handels inzwischen automatisiert ist und damit in den Händen von Algorithmen liegt, deren Entscheidungen sich unter Umständen gegenseitig verstärken. Das führt teils zu wilden Kurskapriolen.

Das bedeutet, dass eine Aktie möglicherweise schnell 15 Prozent abstürzt. Wenn dann ein Stop Loss ausgelöst wird, wird die Aktie verkauft. Möglicherweise kommt man bei der Analyse der Gründe für den Kurssturz anschließend zu dem Ergebnis, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum man die Aktie nicht mehr besitzen möchte. Dann hat man unnötig Geld für Handelsgebühren ausgegeben. Hinzu kommen mögliche Steuerzahlungen für Kursgewinne, die man mit dem Verkauf realisiert hat.

Als Anleger:in verstrickt man sich mit Stop Loss und Stop Limit also schnell in den Wirren des kurzfristigen Handels. Das widerspricht der verbreiteten Empfehlung, langfristig an Aktien festzuhalten. Der Börsen-Butler nutzt die Instrumente deswegen so gut wie nicht. Er investiert in Firmen, von denen er nach gründlicher Analyse glaubt, dass sie langfristig eine gute Zukunft haben und nicht so massiv aus der Bahn geworfen werden können, dass er sein Geld verliert. Im Zweifel muss man zwischenzeitliche Kursverluste halt aussitzen.

Was kostet eine Stop Loss oder Stop Limit-Order?

Bei den Brokern Flatex, Trade Republic und Comdirect sind Order der Typen Stop Loss (Stop Market) und Stop Limit kostenlos (Preisverzeichnisse zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes). Auch die Streichung und Änderung dieser Ordertypen ist kostenlos. Das heißt, man kann ohne weitere Kosten jederzeit den Kurs anpassen, zu dem eine Verkaufsorder ausgelöst werden soll. Das kann je nach Kursentwicklung wichtig sein.

Gewinne sichern mit Stop Loss und Stop Limit

Bisher haben wir die Möglichkeiten für einen Stop Loss oder Stop Limit unter dem Gesichtspunkt der Verlustreduzierung betrachtet. Die beiden Instrumente können aber auch eingesetzt werden, um Gewinne zu sichern. Setzt man die Verkaufskurse über dem aktuellen Kurs, wird die Aktie automatisch verkauft, sobald der Zielkurs erreicht ist. Das ist eine sehr disziplinierte Art des Börsenhandels. Sie bedeutet aber natürlich, dass man von einem etwaigen weiteren Kursanstieg nicht mehr profitiert. Damit muss man dann leben. 

Ist der Trailing Stop eine Alternative?

Noch ein Begriff, den man erstmal nicht versteht: der Trailing Stop (Trailing-Stop-Loss). Er bedeutet, dass der Kurs, zu dem eine Verkaufsorder ausgelöst wird, automatisch angepasst wird. Am besten lässt sich das an einem Beispiel zeigen: Liegt der Aktienkurs gegenwärtig bei 30 Euro, könnte man festlegen, dass ein Verkauf bei einem Kurssturz von zehn Prozent ausgelöst wird. Das wäre in diesem Fall bei 27 Euro. Steigt die Aktie nun auf 40 Euro, wird der Verkaufskurs im Abstand von zehn Prozent automatisch nachgezogen. In diesem Fall also auf 36 Euro. Fällt der Kurs unter 36 Euro zurück, wird automatisch verkauft.

Ein Trailing Stop ist damit eine gute Möglichkeit, Kursgewinne abzusichern. Wie beim Stop Loss besteht allerdings auch hier das Risiko, dass der Verkauf der Aktie zum jeweils aktuell gebotenen Marktpreis vollzogen wird. Bei einem starken Kurssturz können das also auch deutlich weniger als 36 Euro sein (unser Beispiel). Um das zu vermeiden, gibt es auch beim Trailing Stop die Möglichkeit, einen Mindestpreis festzulegen. Dazu nutzt man als Ordertyp den Trailing Stop Limit. 

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Was sollte man beim Trailing Stop beachten?

Bei Aktien, die sehr starke Kursrallyes hinlegen, sind zwischenzeitliche Rücksetzer von zehn Prozent oder mehr durchaus nicht ausgeschlossen. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Rallye damit zu Ende ist. Sie kann durchaus im Anschluss weitergehen. Die Tesla-Aktie ist dafür ein schönes Beispiel. Ein Trailing Stop Loss kann dazu führen, dass man durch einen zu frühen Verkauf aus dem Spiel gekegelt wird und damit die Chance auf mehrere hundert Prozent Gewinn verliert.

Wer allerdings damit zufrieden ist, einen bestimmten Gewinn mitzunehmen und sich nicht ärgert, wenn die Aktie danach noch weiter steigt, für den ist der Trailing Stop eine gute Möglichkeit, diszipliniert zu handeln und Gewinne mitzunehmen.

Der Börsen-Butler nutzt in seltenen Fällen den Trailing Stop. Es gibt Aktien, deren Kurse in Höhen schießen, die sich mit dem fundamentalen Geschäft nicht mehr begründen lassen. Und zwar nicht nur kurzfristig, sondern auch auf Sicht von mehreren Jahren. Sie sind einfach absurd überbewertet. In diesen Fällen spielt er die Rallye mit einem Trailing-Stop-Loss so lange mit, bis sich erste Schwächen zeigen und lässt sich die Aktien dann abkaufen.

Fazit zu Stop Loss, Stop Limit und Trailing Stop

Ob man mit Stop Loss und Stop Limit arbeitet, hängt sehr stark von der Risikoneigung und Anlagestrategie ab. Die Instrumente haben Vor- und Nachteile. Und sie eignen sich je nach Investmentcase und Marktlage unterschiedlich gut. Deshalb führt nichts an einer jeweils individuellen Abwägung vorbei, ob man diese Instrumente einsetzt oder nicht.

Zum Abschluss möchte ich mit einem Beispiel die Problematik verdeutlichen: Nehmen wir eine volatile Wachstumsaktie, die wir zu 100 Euro kaufen. Wir setzen ein Trailing Stop Limit 20 Prozent darunter. Nun steigt die Aktie auf 130 Euro. Fällt sie anschließend auf 104 Euro zurück, wird der Verkauf ausgelöst. Selbst wenn man wirklich 104 Euro bekommt, ist der Gewinn minimal. Die Ordergebühren zahlt man trotzdem. Steuern ebenfalls. Und wenn man nicht 104 Euro sondern nur 98 bekommt, ist die Bilanz noch schlechter. Wirklich lohnen würde sich die Order nur, wenn der Aktienkurs noch viel weiter fallen sollte – oder wenn die Aktie vorher viel stärker gestiegen wäre.

Definitiv zu empfehlen ist also, die Fälle jeweils genau durchzurechnen, bevor man die vermeintlich Sicherheit bietenden Stop-Loss-Ordertypen nutzt. Ansonsten können diese sich ins Gegenteil dessen verkehren, was sie eigentlich bewirken sollen, und Geld vernichten statt zu schützen.

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Briefing Börsen-Butler

Der Börsen-Butler ist ein längjähriger Beobachter des Wirtschaftsgeschehens am Börsenplatz Frankfurt. Mit seinem Langfristdepot sorgt er mit Aktien fürs Alter vor. Hier berichtet er, welche Titel er kauft oder verkauft. Dabei setzt er auf seine Börsen-Butler-Strategie, die dafür sorgt, dass er auch bei Marktturbulenzen ruhig schlafen kann.

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Der Börsen-Butler ist kein täglicher Dienst. Er berichtet anlassbezogen, also bei Käufen oder Verkäufen oder bei wichtigen Marktentwicklungen. Die Berichte dienen lediglich Informationszwecken. Sie stellen keine Handlungsempfehlungen dar und ersetzen keine professionelle Wertpapierberatung. Jede Haftung wird abgelehnt.

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