Wie Millionäre ticken: Studie nimmt Reiche unter die Lupe

Erstmals haben Forscher untersucht, wie deutsche Millionäre ticken. Was unterscheidet sie von anderen Leuten? Die zentralen Erkenntnisse im Überblick.
Erstmals wurden in Deutschland dezidiert Millionäre befragt. (Symbolbild: Jacob Vizek)
Erstmals wurden in Deutschland dezidiert Millionäre befragt. (Symbolbild: Jacob Vizek)

Wer möchte nicht gern reich sein? Vielleicht nicht unbedingt ein Milliardenvermögen wie bei Ugur Sahin und Özlem Türeci, den beiden Gründern des Mainzer Corona-Impfstoffherstellers Biontech, aber ein paar Millionen schon, um sich nicht mehr so viele Sorgen machen zu müssen. Wer nicht erben kann, muss das Vermögen erarbeiten. Warum schaffen es einige und andere nicht? Sind Millionäre besondere Menschen? Erstmals haben Forscher in einer Studie jetzt wissenschaftlich ermittelt, wie Deutschlands Millionäre ticken.

Und nicht nur das: Das Team um Johannes König vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kann auch unterscheiden zwischen denen, die ein Vermögen geerbt, und denen, die es selbst erworben haben. Diese Self-Made-Millionäre besitzen im Schnitt vier Millionen Euro, während vermögende Erben über drei Millionen Euro verfügen. Die Erkenntnisse der Studie wertet König als „einmaliges Ergebnis”.

Studie zeigt Unterschiede zwischen Millionären auf

Was macht also erfolgreiche Millionäre aus? Sie sind Neuem gegenüber aufgeschlossener, zugewandter, geselliger und gewissenhafter als die weniger vermögende Bevölkerung. Und sie gehen optimistischer durchs Leben. So zeigt es die Studie. „Was heraussticht: Self-Made-Millionäre sind besonders risikofreudig”, sagt König. „Sie gehen mehr Wagnisse ein.” Millionäre aus eigener Kraft sind der Studie zufolge eher selbstständig, leiten größere Unternehmen. Und: „Millionäre, die ihren Reichtum geerbt haben, sind den Nicht-Reichen ähnlicher als den Millionären, die ihr Vermögen selbst erworben haben”, sagt König.

Die Forscher stützen sich auf Daten des Sozioökonomischen Panels. Seit 1984 werden die Bundesbürger dafür regelmäßig nach ihren Verhaltensweisen, Einkommen, Vermögen und vielen anderen Merkmalen befragt. Jetzt sind erstmals gezielt auch Reiche befragt worden – ein besonderes Unterfangen, weil die Gruppe gezielt angesprochen werden musste und eher zurückhaltend ist. Die Teilnahme ist freiwillig. Gefragt wird unter anderem nach der finanziellen Situation und danach, ob man eher gesellig ist, schnell ungeduldig wird. Daraus haben die Forscher dann die Persönlichkeitsbilder ermittelt. Die Daten zu den Millionären stammen von 2019.

Milliardäre sind nicht Teil der Studie

Untersucht haben die Wissenschaftler Angaben von fast 24.000 Personen. Darunter waren mehr als 1100 mit einem Nettovermögen von mindestens einer Million Euro. Im Nettovermögen erfasst werden Immobilien, Finanzvermögen und Geldanlagen, Unternehmensbeteiligungen und wertvoller Besitz wie zum Beispiel Gemälde. Gegengerechnet werden Schulden, etwa Hypotheken. Die Daten beziehen sich jeweils auf eine Person, gemeinsam genutzte Häuser zum Beispiel flossen anteilig ein. Die reichsten fünf Befragten besaßen demnach mehr als 100 Millionen Euro.

Milliardäre sind in der Studie nicht dabei. „Diese Gruppe ist noch schwerer zu erreichen als die Vermögenden”, sagt König. Er vermutet, dass die Verhaltensweisen dort noch ausgeprägter sein könnten als bei Millionären. Ein Blick in die USA stützt die These: Unternehmer wie Amazon-Gründer Jeff Bezos oder Tesla-Chef Elon Musk – die beiden reichsten Männer der Welt – bauten ihre Unternehmen mehr oder weniger aus dem Nichts auf – hartnäckig und mit hohem Risiko.

 

2020 mehr als 1,5 Millionen Millionäre in Deutschland

Wobei sich die Ergebnisse der deutschen Studie nur eingeschränkt auf andere Länder übertragen lassen, unter anderem, weil das Wirtschaftssystem – in Deutschland die soziale Marktwirtschaft – den Rahmen für das Handeln der Menschen vorgibt. In einer stärker von Plan geprägten Wirtschaft oder einer rein kapitalistischer sind möglicherweise andere Persönlichkeiten erfolgreicher. Wie viele risikofreudige Menschen mit ihren Ideen scheiterten, ist nicht erfasst – sie fallen ja nicht in die Millionärskategorie. Dem Vermögensreport des Beratungsunternehmens Capgemini zufolge gab es 2020 mehr als 1,5 Millionen Millionäre in Deutschland – allerdings in Dollar gemessen.

Bleibt die Frage: Tickt der Self-Made-Millionär so, weil er reich geworden ist, oder war er schon so und wurde deshalb reich? „Wir können nicht ausschließen, dass Reichtum die Persönlichkeit ändert”, sagt König. Aber das Persönlichkeitsprofil der Self-Made-Millionäre ähnele dem der Nicht-Reichen Self-Mades, die noch keine Million Nettovermögen hätten. Und letztere könnten womöglich leichter zu den Reichen aufsteigen.

Wer zurückhaltend und jetzt etwas frustriert ist: Das Persönlichkeitsbild ist wichtig, aber nicht entscheidend, um Millionär zu werden. Oder, wie König es sagt: „Für einen leckeren Kuchen sind viele verschiedene Zutaten nötig, die richtig gemischt und bei der korrekten Temperatur gebacken werden müssen.” Für einen frisch gebackenen Millionär oder eine frisch gebackene Millionärin sind neben der Persönlichkeit unter anderem auch gute Bildung und richtige Investoren, Familie und Freunde wichtig – und eine Portion Glück.

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