Neue Preisplakate: Mehr Durchblick an der Tankstelle

Gas, Strom oder Benzin? Von Oktober an soll ein Energiekostenvergleich in Form von neuen Tankstellen-Plakaten Klarheit bringen.
Ab dem 1. Oktober werden größere Tankstellen mit neuen Preis-Plakaten ausgestattet. (Foto: Julian Hochgesang)
Ab dem 1. Oktober werden größere Tankstellen mit neuen Preis-Plakaten ausgestattet. (Foto: Julian Hochgesang)

Autofahrer werden sich von Freitag an über große gelbe Plakate an den Tankstellen wundern. Erstmals soll dort auf einen Blick sichtbar sein, was eine Fahrt über 100 Kilometer je nach Antriebsart kostet. Das Ziel: Mehr Transparenz bei den Preisen. Es ist auch ein Versuch, Autofahrer dazu zu bewegen, sich beim nächsten Pkw-Kauf für ein Fahrzeug mit einem anderen Motor als dem klassischen Verbrenner zu entscheiden.

Um es einfach zu halten, sind auf dem Plakat zwei Fahrzeugkategorien (Kleinwagen/Kompaktklasse und Mittel-/Oberklasse) sowie sieben mögliche Energiearten (etwa Superbenzin, Strom, Autogas oder Wasserstoff) aufgeführt. Die Werte liefert das Bundeswirtschaftsministerium. Sie werden vierteljährlich aktualisiert. Mit der Aushangpflicht setzt die Bundesregierung eine Richtlinie der EU um.

Strom ist die preiswerteste Energieart

Den Zahlen zufolge fährt es sich mit Strom am günstigsten: 4,84 Euro kostet es demnach, 100 Kilometer mit einem E-Auto der Mittel- oder Oberklasse zu fahren. Wer Benzin tankt, muss dagegen 11,42 Euro ausgeben. Autogas für die Strecke würde 4,96 Euro kosten, Wasserstoff 7,60 Euro. Bei Klein- und Kompaktwagen sieht der Unterschied ähnlich aus, hier gibt es allerdings keinen Wert für Wasserstoff, weil entsprechende Fahrzeuge mit Brennstoffzelle nicht auf dem Markt sind. Auch sonst dürfte das Angebot gerade bei Wasserstoff eher übersichtlich sein.

Für jede Antriebsart berechnet das Ministerium auf Basis der drei am meisten verkauften Fahrzeuge und ihrem Verbrauch nach dem WLTP-Standard auf 100 Kilomatern. Der Durchschnittswert wird dann mit dem jeweiligen Preis des Stroms oder des Benzins multipliziert. Für den ersten Aushang waren Preise des zweiten Quartals maßgeblich. Nicht mitberechnet werden die Kaufpreise der Fahrzeuge.

Die Vergleiche hinken – an mehreren Stellen

Die Werte können nur annähernd die echten Fahrtkosten wiedergeben. Allein den Benzinpreis ändern die Tankstellen mehrmals am Tag, wie das Bundeskartellamt erfasst hat. Danach schwanken die Preise um bis zu zehn Cent je Liter. Günstiger ist es zwischen 18 und 22 Uhr, am teuersten zwischen 22 Und 8 Uhr. Zudem steigen die Spritpreise seit Monaten.

Der Mineralölwirtschaftsverband bemängelte, für Strom sei der Haushaltspreis zugrunde gelegt worden. Wer an einer Ladesäule tanke, müsse aber in der Regel einen höheren Preis zahlen. Dem Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft zufolge kostet Strom an Ladesäulen mindestens ein Drittel mehr als Haushaltsstrom, teilweise sogar mehr als das Doppelte.

Keine exakten Zahlen, sondern eher ein allgemeiner Vergleich

EU und Bundesregierung geht es nicht so sehr um den exakten Preis als vielmehr um den grundsätzlichen Vergleich. „Die Kosten des vielfältigen Kraftstoff- beziehungsweise Energieträgermarktes sollen so den Verbraucherinnen und Verbrauchern vergleichbar aufbereitet werden und für alternative Antriebe und Energieträger für Personenkraftwagen sensibilisieren”, heißt es beim Ministerium.

Die Idee hinter dem Energiekostenvergleich: Wer beim Tanken sieht, wie viel es kostet, etwa mit einem E-Auto unterwegs zu sein oder mit einem Wasserstoff-Fahrzeug, entscheidet sich künftig für ein anderes Fahrzeug, als er bisher fährt. Das ist derzeit in der Regel ein Fahrzeug mit Benzin- oder Dieselantrieb. Unmittelbar an der Tankstelle hat der Aushang wenig Einfluss – mal abgesehen davon, dass sich Kunde oder Kundin möglicherweise über die hohen Preise für Sprit ärgert.

Plakatanzahl wird überschaubar sein

Nicht jede Tankstelle muss den Vergleich aushängen oder auf einem Bildschirm anzeigen. Gesetzlich verpflichtet sind vor allem große Anlagen mit mehr als sechs Zapfsäulen. Der Tankstellenverband ZTG schätzt, dass das nur rund 1500 der insgesamt 14.500 Tankstellen in Deutschland betrifft.

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