Mission Asteroidenabwehr

Die US-Raumsonde Dart soll gezielt mit einem Asteroiden kollidieren, um dessen Flugbahn zu verändern. Deutschland ist auch beteiligt an dem Projekt.
Das Bremer Unternehmen OHB baut die Kontrollsonde Hera. (Foto: OHB/Mark Fittock)
Das Bremer Unternehmen OHB baut die Kontrollsonde Hera. (Foto: OHB/Mark Fittock)

Es ist eine der spektakulärsten Missionen im All: Von der Erde aus soll weit draußen die Flugbahn einen Asteroiden verändert werden. Das Geschoss, die US-Raumsonde Dart, ist seit letzter Woche unterwegs. Die Europäer werden in ein paar Jahren nachsehen, ob die Asteroidenabwehr erfolgreich war. Die dafür nötige Raumsonde Hera wird gerade mit Millionenaufwand in Deutschland entwickelt.

Dart und Hera sind Teil eines Programms zur Asteroidenabwehr. Was wie Science-Fiction klingt, ist aus Sicht von Weltraumspezialisten nötig. „Die Gefahren aus dem All sind real. Dort gibt es Millionen von Gesteinsbrocken, die im Falle einer Kollision das Leben auf der Erde gefährden könnten”, sagt Marco Fuchs, Chef des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB. Sein Unternehmen hat vor gut einem Jahr den Auftrag für Hera gewonnen. Die Bremer sollen als Generalunternehmer die beteiligten Firmen aus 17 EU-Staaten koordinieren. 129,4 Millionen Euro lässt sich die europäische Raumfahrtagentur Esa das Projekt kosten. OHB baut unter anderem auch einen Teil der Satelliten für das Galileo-Programm, eine Art GPS der Europäer. Zum Konzern gehört zudem der Raketenbauer RFA aus Augsburg.

Asteroidenabwehr: Billard im All

Dart ist vergangene Woche mit einer Space-x-Rakete in den USA gestartet. Die Raumsonde steuert den Doppel-Asteroiden Didymos an, 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Um den größeren Asteroiden kreist wie ein Mond der Asteroid Dimorphos, den die Sonde Ende 2022 treffen und leicht aus der Bahn werfen soll. Vorher wird sie einen Kleinsatelliten aussetzen, der erste Daten zur Erde sendet.

Doch das reicht den Forschern bei den Raumfahrtbehörden Nasa (USA) und Esa nicht aus. Das Projekt soll schließlich ermöglichen, von der Erde aus eine Asteroidenabwehr zu steuern. Dazu würde man den Himmelskörper, der auf Kollisionskurs mit der Erde ist, frühzeitig beschießen und weit draußen im All ablenken. Dafür ist wichtig, diese Himmelskörper besser zu verstehen, zum Beispiel zu wissen, aus welchem Material Asteroiden bestehen, wie hart sie sind und ob sich ihr Weg verändern lässt. Oder, wie es bei OHB heißt, „ob Billard im All überhaupt möglich ist.” Die Esa schickt deshalb im Herbst 2024 die Raumsonde Hera Richtung Didymos.

Kleinsatelliten für die Asteroidenabwehr

Was recht einfach klingt, ist kompliziert: Dart und auch Hera müssen für die Asteroidenabwehr 150 Millionen Kilometer fliegen. Zudem sind die beiden Asteroiden im kosmischen Maßstab vergleichsweise klein: Der größere der beiden Asteroiden hat einen Durchmesser von 780 Metern, Dimorphos von 165 Metern Durchmesser. Das entspricht etwa der Größe des Kolosseums in Rom. Den kleineren mit einer Sonde zu treffen, ist in etwa so, als versuche man von Berlin aus, im neuseeländischen Auckland einen Stecknadelkopf mit einem größeren Staubkorn zu beschießen.

Die Hera-Mission ist noch etwas aufwändiger als Dart. Denn die Raumsonde, die gut eine Tonne wiegt, soll, einmal angekommen am Asteroiden, zwei kleine Satelliten etwa in Schuhkartongröße aussetzen, die sich Didymos genauer anschauen. So wird zum Beispiel mit spezieller Radartechnik auch das Innere des Asteroiden vermessen. OHB plant und koordiniert das Projekt und baut die Hauptsonde, die auch die Daten an die Erde senden soll. Die beiden Kleinsatelliten für besondere Analysen kommen von Tyvak International aus Mailand und GomSpace aus Luxemburg. Gesteuert wird das Projekt vom Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt. Kleinsatelliten werden bei Projekten im Weltraum eine immer größere Rolle spielen.

Größere Asteroiden könnten ganze Großstädte zerstören

Dass Asteroiden für die Erde gefährlich werden könnten, zeigte sich 2013 im russischen Tscheljabinsk. Damals explodierte in 30 bis 50 Kilometern Höhe ein Asteroid. Die Druckwelle setzte Energie frei, die beim 30-Fachen der Atombombe lag, die Hiroshima zerstörte. In Russland mussten damals 1500 Menschen medizinisch behandelt werden, in sechs Städten wurde die Druckwelle gemessen. Ein Objekt mit einem Durchmesser von 100 Metern könnte beim Auftreffen auf die Erde eine Stadt wie Hamburg oder München zerstören, heißt es bei OHB.

Spezialteleskope: Mögliche Kollisionen früh erkennen

Rechtzeitig zu erkennen, ob ein Asteroid möglicherweise mit der Erde zusammenstößt, soll das Projekt Flyeye. Das Fliegenauge ist ein Spezialteleskop, das Objekte ab einem Durchmesser von 40 Metern drei Wochen vor dem Zusammenstoß mit der Erde erkennen kann. Die Technik orientiert sich am mehrteiligen Fliegenauge mit seinem sehr weiten Sichtfeld. Das erste dieser Teleskope hat OHB in Mailand gebaut. Es soll vom Berg Mufara auf Sizilien aus den Himmel nach Asteroiden absuchen. Ist der Testlauf erfolgreich, sind weitere Teleskope dieser Art weltweit geplant. Aus allen Daten lässt sich dann berechnen, ob binnen 100 Jahren ein Asteroid mit der Erde kollidiert. Bisher ist das nicht abzusehen. Nasa und Esa wollen aber, dass die Erde gewappnet ist.

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