Brandbrief: Bauarbeiten der Bahn bremsen Güterverkehr aus

Deutschland blamiert sich im europäischen Schienengüterverkehr: Logistikorganisationen beklagen “inakzeptable Situation” infolge von Bauarbeiten.
Containerumschlag im Hafen von Rotterdam: ein Ausgangspunkt des europäischen Schienengüterverkehrs. (Foto: Bernd Dittrich)
Containerumschlag im Hafen von Rotterdam: ein Ausgangspunkt des europäischen Schienengüterverkehrs. (Foto: Bernd Dittrich)

Dieses Schreiben hat es in sich: Europäische Logistikorganisationen beschweren sich bei der EU-Kommission und beim Bundesverkehrsministerium mit drastischen Worten über die Deutsche Bahn. Sie werfen der Konzerntochter DB Netz Versagen bei der Steuerung von Bauarbeiten im deutschen Schienennetz vor.

Wegen der Bauarbeiten sei es in den vergangenen zwei Wochen “zu einer inakzeptablen Situation durch Störungen an Weichen, Stellwerken und Nichtverfügbarkeit von Personal der DB Netz” gekommen, heißt es in dem Brief, aus dem Railfreight.com zitiert. Viele Teile des Systems, insbesondere dem Rhein entlang, funktionierten nicht effizient.

Problemlösungsfähigkeit der DB Netz “extrem schwach”

Dutzende internationale Güterzüge hätten abgestellt werden müssen oder seien stark verspätet gewesen, so die Kritiker. “Die Problemlösungsfähigkeit von DB Netz war extrem schwach – bis hin zu dem Punkt, dass die Leistung von DB Netz zu unnötigen Engpässen geführt hat.”

Im deutschen Schienennetz haben sich über die Jahre viele Probleme aufgestaut. Nun wird immer mehr gebaut. Schon im Frühsommer hatten Vertreter der Güterverkehrsbranche darauf aufmerksam gemacht, dass das zwar positiv sei, dass dadurch aber auch Kapazitäten im Netz fehlten. Denn in Deutschland stehen kaum vernünftige Ausweichstrecken ohne lange Umwege zur Verfügung.

Warnung vor schwerem Schaden für Schienengüterverkehr

Hinzu kommt, dass die Planung europäischer Zugläufe im Güterverkehr extrem mühsam ist. Vieles wird noch händisch und zum Teil sogar mit Fax gemacht. Für jedes Land müssen die Trassen einzeln angemeldet werden. Erreicht ein Güterzug nicht zur angemeldeten Zeit die Trasse, muss er im schlimmsten Fall viele Stunden lang warten. In der Folge gehen auch alle weiteren Trassenbuchungen verloren.

Wenn nun gebaut werde, so die Logistikorganisationen, so erwarte man, “dass diese Arbeiten professionell und perfekt geplant durchgeführt werden, einschließlich eines hohen Maßes an Koordination und Notfallplänen für den Fall von Störungen”.

Geschrieben haben den Brandbrief, der auch an den Chef von DB Netz adressiert ist, ERFA, Essenscia, NEE, UIRR, RailGood, ESC, UIP und CLECAT. Sie warnen: “Da sechs der neun Schienengüterverkehrskorridore durch Deutschland verlaufen, hat die derzeitige Situation das Potenzial, dem europäischen Schienengüterverkehr einen erheblichen Image- und Wirtschaftsschaden zuzufügen.” Sie verschärfe die bestehenden Überlastungsprobleme in den europäischen Seehäfen und ihrem Hinterland und trage zu weiteren Engpässen in der Lieferkette bei.

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