Vögelzählen für den Artenschutz

Naturschützer rufen Bürgerinnen und Bürger dazu auf, eine Stunde lang Vögel zu zählen. Nur: Wie unterscheidet man die verschiedenen Arten?
Den Spatz erkennt man an seinen typischen "Tschilp"-Rufen. (Foto: Namrata Shah)
Den Spatz erkennt man an seinen typischen “Tschilp”-Rufen. (Foto: Namrata Shah)

Du Dreckspatz! Woher dieser Ausdruck kommt? Der Spatz, auch Haussperling genannt, badet wie alle Vögel gern. Nur hat er anders als die meisten Vögel eine Vorliebe für das Bad im Sand. Er wälzt sich darin, staubt sich regelrecht ein. So schaffte er es in die Redewendung, auch wenn der Sand ihn reinigt, und zwar von Parasiten im Gefieder. Vom 6. bis zum 9. Januar, also noch bis Sonntag, soll der Spatz besondere Aufmerksamkeit bekommen.

Denn: Der Naturschutzbund NABU ruft zusammen mit dem Bayerischen Landesbund für Vogelschutz, LBV, zur „Stunde der Wintervögel” auf: Bürgerinnen und Bürger können Spatzen und alle anderen Wintervögel zählen, die in einer Stunde auf dem Balkon, im eigenen Garten oder in einem Park auftauchen, und dann melden.

Vögelzählen für den Artenschutz

Es ist schon das zwölfte Mal, dass diese „Stunde der Wintervögel” stattfindet. Die gesammelten Daten seien, erklärt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller, „äußerst wertvoll, weil sie Aufschluss über den Zustand der heimischen Vogelwelt in unseren Siedlungen geben.” So eine große gemeinsame Vogelinventur hilft auch für den Artenschutz. Das Bild werde umso genauer, je mehr Menschen mitmachten, sagt Miller. Schon im vergangenen Jahr sei die Beteiligung „besonders hoch” gewesen, hätten 236.000 Menschen mitgemacht. Schließlich entdecken die Deutschen seit der Pandemie, seit das Reisen weniger wurde und der Kinobesuch und das Training im Fitnessstudio seltener, das Spaziergehen und die Natur vor der Haustür. 2021 ergatterte der Haussperling den Spitzenplatz bei der Vogelzählung, Kohlmeise und Feldsperling folgten auf Platz zwei und drei.

Vögel richtig erkennen

Nur: Lassen sich die Vögel so einfach erkennen? Den Haussperling – klein, leicht gedrungen, großer Kopf – mögen viele ausmachen können. Sein Gesang ist eine endlose Folge von „tschilp”-Rufen. Nur bei Aufregung und wenn Gefahr droht, schlägt das schon mal in Gezeter um. Aber was ist mit seinem Cousin, dem Feldsperling? Der ist etwas kleiner, hat eine braune Kopfkappe und einen schwarzen Wangenfleck, ist eigentlich – der Name sagt es – ein Feldvogel, mittlerweile aber auch oft in Gärten und Städten zuhause. Und wie unterscheide ich eine Kohlmeise von einer Blaumeise? Erstere wirkt deutlich plumper als die grazile Blaumeise, hat einen schwarz-weißen Kopf und einen auffällig schwarzen Bauchstreifen auf der gelben Brust, was fast wie eine Krawatte aussieht.

Vögel beobachten kann trainiert werden

Man müsse kein Experte sein, keine besondere Qualifikation haben, um Vögel zu beobachten, heißt es beim NABU. Für alle, die vorab ein wenig trainieren wollen, hat der Ökoverband aber zum Beispiel den kurzen Film „Diese Vögel kommen ans Futterhaus” ins Internet gestellt und der LBV die Produktion „Vögel im Winter“. Dazu gehören neben Spatz, Feldsperling, Kohlmeise unter anderen auch Amsel, Blaumeise, Rotkehlchen, Grünfink und Buchfink. Sie fliegen anders als die Störche oder die Nachtigall im Herbst nicht in südlichere Gegenden. Sie trotzen der Kälte.

Sie können sich aufplustern, sehen aus wie eine Federkugel. Ihr Gefieder wirkt dann wie eine Daunenjacke mit Warmluftpolster. Dazu kommen andere Strategien. Vor allem aber brauchen die Vögel fettreiche, energiespendende Nahrung, um ihre Körpertemperatur, die zwischen 38 und 42 Grad Celsius liegt, aufrecht zu erhalten: Samen, Nüsse, Körner zum Beispiel.

Der Buchfink etwa liebt Bucheckern. Interessant übrigens wie er zwitschert, eher schmettert. Vogelfreunde erkennen in seinem Gesang – es ist eine Eselsbrücke – den Satz „Bitte, bitte, hole mir noch ein Weizenbier.” Eigentlich fehlt nur noch eine Redewendung: Du Bierfink!

Stunde der Wintervögel – so geht es

Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und beobachten Vögel. Das können Sie von Ihrem Wohnzimmerfenster aus machen oder Sie gehen nach draußen. Notieren Sie für jede Vogelart, die binnen der einen Stunde auftaucht, die maximale Anzahl der Exemplare, die Sie auf einmal sehen. Anders gesagt: Sehen Sie um 15.10 Uhr drei Spatzen gleichzeitig, um 15.50 Uhr aber fünf, geben Sie am Ende fünf Spatzen an. Würden Sie einfach alle Spatzen zusammen rechnen, die binnen einer Stunde vorbeifliegen, könnte es sein, dass Sie manche Vögel mehrfach zählen, weil ein Exemplar mal wieder verschwindet, dann aber zurück kommt. Das soll verhindert werden.
Die Daten melden Sie per App unter www.NABU.de/vogelwelt, unter www.stundederwintervoegel.de oder unter www.NABU.de/onlinemeldung bis zum 17. Januar 2022. Am 8. und 9. Januar können Sie sie jeweils von 10 bis 18 Uhr auch per Telefon unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1157-115 durchgeben.

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