Oatly-Börsengang: So schmeckt das nicht

Die Anlegerinnen und Anleger stürzen sich auf die Aktie des Haferdrink-Herstellers Oatly. Warum der Börsen-Butler die Finger von dem Unternehmen lässt.
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Macht Furore: Haferdrink von Oatly.

Eigentlich ist ein Lebensmittelunternehmen wie Oatly ja ganz nach dem Geschmack des Börsen-Butlers. Die Schweden haben sich mit ihren Haferdrinks früh in wichtigen Zukunftstrends positioniert: Immer mehr Menschen wollen sich verstärkt pflanzlich ernähren und der Klimaschutz gewinnt an Bedeutung. Oatly ist dafür perfekt aufgestellt: Die Produkte sind vegan und ihre Herstellung kommt im Vergleich zu Milch jeweils mit einem Fünftel der Treibhausgase und landwirtschaftlichen Flächen aus. Hinzu kommen die starke Marke, das pfiffige Marketing, hohes Wachstum und bedeutende Partnerschaften. Gleichwohl ist ein Einstieg bei Oatly für den Börsen-Butler derzeit kein Thema.

Der Hype um Oatly erinnert beängstigend an den Run auf die Papiere des amerikanischen Fleischersatzherstellers Beyond Meat nach dessen Börsengang im Mai 2019. Der Aktienkurs des Spezialisten für pflanzliche Burger schoß damals binnen weniger Wochen vom Ausgabepreis von 25 Dollar auf knapp 235 Dollar hoch – um dann in sich zusammenzubrechen. Dabei zeichneten die Firma ähnliche Qualitäten aus wie Oatly: Positionierung in zwei Trends (Vegane Ernährung, Nachhaltigkeit), starke Marke, hohes Wachstum, bedeutende Partnerschaften. Aber die Bewertung eben zu hoch. Zwei Jahre später liegt die Aktie bei 107 Dollar, wobei sie zwischenzeitlich bis an die 50 Dollar Marke gefallen ist.

Der globale Haferdrinkmarkt wächst, gut für Oatly

Die Oatly-Aktie wurde für 17 Dollar ausgegeben. Das lag bereits am oberen Ende der Preisspanne für den Börsengang und sprach dem Unternehmen einen Wert von zehn Milliarden Dollar zu – fünf Mal mehr als noch bei der Finanzierungsrunde im Juli 2020. Am Freitag ging die Aktie dann bei 22,48 Dollar aus dem Handel.

Zwar kam seit Juli 2020 eine wichtige Partnerschaft mit der Kaffeekette Starbucks hinzu, die seit diesem März die Hafermilch in ihren US-Läden landesweit anbietet und ob des Kundenansturms in manchen Cafés prompt ausverkauft war. Nach der Umsatzverdoppelung von Oatly 2020 (auf 421 Millionen Dollar) lässt das weiter hohes Wachstum erwarten. Zumal das Umfeld wohlgesonnen bleiben sollte: Das Analysehaus Grand View Research erwartet, dass der globale Haferdrinkmarkt bis 2027 auf 7,8 Milliarden Dollar wachsen wird.

Der Wettbewerb für Oatly wird härter werden

Dieser Markt wird Oatly allerdings nicht alleine gehören. Das tut er schon heute nicht. Der französische Milchriese Danone ist zum Beispiel mit seiner Marke Alpro in dem Segment unterwegs. Und das ist beileibe nicht der einzige Wettbewerber. Der deutsche Discounter Penny verkauft zum Beispiel unter seiner Biomarke Naturgut einen Haferdrink, der mit 99 Cent je Liter deutlich günstiger ist als der von Oatly (2.29 Euro) und preislich auf einem Niveau mit Bio-Kuhmilch liegt.

Genau wie im Fall von Beyond Meat dürfte der Wettbewerb bald noch härter werden. Denn die Produkte von Oatly sind für andere Lebensmittelhersteller einfach zu kopieren. Es steht zu erwarten, dass die Preise stark unter Druck kommen werden. Das alles wird es Oatly erschweren, das Wachstumstempo beizubehalten und vor allem in die schwarzen Zahlen zu kommen. Denn noch machen die Schweden Verluste (2020: -60 Mio. Dollar).

Auch wenn sich der Börsen-Butler für Oatly begeistern kann, lässt er wegen der in seinen Augen deutlich zu hohen Bewertung die Finger von dem Unternehmen und wartet ab.

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