Kryptowährungen: Besser nicht mit diesem Geld bezahlen

Sind Kryptowährungen die Zukunft? Sie schwanken stark, sind ungeeignet als Zahlungsmittel. Für automatisierte Abrechnungen bleiben sie hingegen interessant.
Kryptowährungen wie Bitcoin sind starken Schwankungen unterworfen. (Foto: Pierre Borthiry)
Kryptowährungen wie Bitcoin sind starken Schwankungen unterworfen. (Foto: Pierre Borthiry)

Ein sprunghafter Typ ist Elon Musk, der Chef der Elektroauto-Firma Tesla. Anfang 2021 erklärte er, seine Stromschlitten bald für Bitcoin zu verkaufen. Der Wert der größten Kryptowährung stieg danach massiv an. Drei Monate später überlegte Musk es sich anders. Kein Tesla würde für Bitcoin abgegeben, hieß es. Der Energieverbrauch beim Produzieren des Computergeldes sei einfach zu groß, um als nachhaltig zu gelten, begründete der Unternehmer. Das hätte er vorher wissen können: Seit Jahren geht es darum, dass die Bitcoin-Firmen ähnlich viel Strom verbrauchen wie beispielsweise die Niederlande.

Das war eine der großen Nachrichten aus der Welt der Kryptowährungen in 2021. Eine andere: Coinbase, die größte Handelsplattform für Bitcoin & Co. in den USA, ging selbst an die Börse. Der Kurs ihrer Aktien stieg so stark, dass der Laden anfangs fast 100 Milliarden Dollar wert war (rund 84 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Das ist etwas mehr als der Wert des Flugzeugbauers Airbus im Dezember 2021 und etwas weniger als der Wert von VW.

Außerdem führte Nayib Bukele, der autoritär-rechte Präsident des mittelamerikanischen Armenhauses El Salvador, den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in seinem Land ein. Eine Begründung: So fielen die hohen Gebühren für Geldüberweisungen von Emigrant:innen aus den USA in die Heimat weg. Viele Bürger:innen teilten die Einschätzung ihres Präsidenten nicht. „Bitcoin ist Betrug” war auf Plakaten bei Demonstrationen zu lesen.

Ebenfalls in 2021 gab die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt, bis 2023 den Prototypen des digitalen Euro zu entwickeln. Das ist die staatliche Konkurrenz zu den privaten Kryptowährungen.

Was ist eine Kryptowährung?

Bitcoin, Ethereum, Binance Coin und andere sind private Währungen, deren Wert nicht durch staatliche Notenbanken abgesichert wird. Privatleute und Firmen schaffen sie in leistungsstarken Computern und Rechenzentren. Daran können sich alle beteiligen, die über die entsprechende Technik und das Wissen verfügen. Deshalb gibt es mindestens hunderte Kryptowährungen.

Die Buchungsvorgänge werden nicht nur in wenigen Rechenzentren beispielsweise von Banken dokumentiert, sondern dezentral auf Millionen Computern weltweit. Das gleichzeitige Ablegen in vielen Speichern gilt als neuer Weg, die Buchungen automatisiert vergleichbar und fälschungssicher zu machen.

Die Befürworter:innen treibt unter anderem die Hoffnung an, Geld zu schaffen, das nicht von Staaten kontrolliert wird. Ein Vorteil soll darin bestehen, Inflation und Geldentwertung zu verhindern. Deshalb existiert beim Bitcoin die Obergrenze von 21 Millionen Einheiten – mehr soll es niemals geben.

Ist es schlau, Bitcoin zu kaufen?

Etwa 20.000 Euro war ein Bitcoin Anfang 2021 wert. Nicht zuletzt wegen der Tesla-Kapriolen raste der Kurs im April bis über 50.000 Euro hoch, sackte im Juli auf 25.000 ab, um im November mit fast 60.000 ein neues Allzeithoch zu erreichen. Mitte Dezember 2021 wurden 43.000 Euro notiert.

Seit Anfang 2017 stieg der Wert des Bitcoin um etwa 6.000 Prozent – eine gigantische Aufwertung oder Deflation. Seine maximale Deflation – die Wertsteigerung oder Zunahme der Kaufkraft gegenüber realen Gütern wie Lebensmitteln oder Fahrzeugen – betrug im Jahresverlauf 2021 etwa 200 Prozent. Die zwischenzeitliche Inflation – der Wertverlust – zwischen April und Juli etwa 100 Prozent. Da nimmt sich die augenblickliche Inflation des Euro von fünf Prozent geradezu bescheiden aus. Der Bitcoin kann sein Versprechen einer Absicherung gegen Wertverlust nicht einhalten.

„Bitcoin & Co. sind Spekulationsobjekte”, sagt deshalb Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Für manche Leute ist jetzt ein historischer Glücksmoment, sie werden schnell reich. Andere erleiden hohe Verluste.” Wer Interesse an stabilem Wert als Kapitalanlage beispielsweise für die eigene Altersvorsorge hat, sollte vorsichtig sein – wegen der großen Schwankungen. „Zur Wertaufbewahrung eignen sich die Kryptowährungen nicht”, sagt Schäfer.

Kann man mit Kryptowährungen bezahlen?

In Deutschland dürfte es einige tausend Geschäfte und Dienstleister geben, die Zahlungen in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen entgegennehmen – ein genauer Überblick existiert nicht. Auf jeden Fall handelt es sich um eine kleine Nische im Vergleich zur konventionellen Ökonomie. „Die Funktion des Bezahlens steht bei den Kryptowährungen heute nicht im Vordergrund”, sagt Markus Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Ein Grund dafür sind die schnellen Kursschwankungen. Wer beispielsweise ein Auto mit Bitcoin bezahlen soll oder will, steht vor dem Problem, dass die Kaufkraft des Zahlungsmittels innerhalb von Minuten oder Sekunden erheblich sinkt oder steigt. In Euro berechnet ist der Wagen dann plötzlich zehn Prozent billiger oder teurer. Wer trägt den Verlust, wer streicht den Gewinn ein – der Verkäufer, die Käuferin? „Diese Volatilität abzupuffern, ist schwierig”, sagt Katarina Adam, Professorin der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. „Das ist ein Hindernis für die Akzeptanz der Kryptowährungen.”

Wie geht es mit den Kryptowährungen weiter?

Vermutlich setzt sich die Expansion des Kryptomarktes fort. Dennoch dürfte sich die Rolle als Zahlungsmittel wie auch als Anlageobjekt vom Volumen her weiterhin in einer Nische abspielen.

Parallel werden die ökonomisch wichtigen Staaten die Regulierung der privaten Geldes vorantreiben. „Die Zentralbanken etwa in China, den USA und Europa haben erkannt, dass sie ihr Währungsmonopol verteidigen müssen”, sagt DIW-Ökonomin Schäfer. Wird zum Beispiel der digitale Euro eingeführt, der ähnlich funktioniert, wie die privaten Kryptowährungen, bekämen grundsätzlich alle Europäer:innen ein zusätzliches Konto bei ihren Banken. Von dort aus könnten sie mit Digital-Euro einkaufen – und auf Bitcoin & Co. verzichten. Vorteil: Der Wert des Digital-Euro ist so stabil wie der der heutigen Banknoten. „In wohlhabenden Ländern mit funktionierender Regulierung werden die Kryptowährungen deshalb auf Nischen beschränkt bleiben”, vermutet Schäfer.

Trotzdem ist zu erwarten, dass Digitalwährungen für Unternehmen wichtiger werden. „Es ist ein Gründungsboom im Gange”, sagt IW-Forscher Demary. „Viele der neuen Firmen beschäftigen sich beispielsweise mit Kommunikation zwischen Maschinen, die automatisierte Verträge, Bestellungen und Abrechnungen beinhaltet.” Derartige Buchungen laufen dann über die Blockchain und nicht mehr über konventionelle Bankkonten. Allerdings in der Währung Digital-Euro, statt in verlustanfälligen Kryptowährungen.

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