Wasserstoff-Aktien beenden freien Fall: Jetzt investieren?

Boom und Crash gehören zur Börse. Wasserstoff-Aktien haben das mal wieder besonders eindrücklich vorgeführt. Jetzt scheint der Absturz vorbei zu sein.
Kreuzfahrtschiffe können mit Wasserstoff angetrieben werden. (Foto: Fernando Jorge)
Kreuzfahrtschiffe können mit Wasserstoff angetrieben werden. (Foto: Fernando Jorge)

Wasserstoff-Aktien haben 2020 einen unfassbaren Boom erlebt. Um nur eines, wenn vielleicht auch das prominenteste von vielen Beispielen zu nennen: Der Kurs der US-Firma Plug Power hat sich innerhalb von 13 Monaten mehr als verzwanzigfacht. Wer nur 500 Euro in das Papier investiert hatte, hatte nun plötzlich 10.000 Euro in der Tasche.

Mit dem Rekordhoch von 61,88 Euro im Januar dieses Jahres war dann aber auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Nicht nur bei Plug Power, sondern bei allen Wasserstoff-Aktien. Seither ging es steil bergab. Wer zu spät auf den Zug aufgesprungen ist, steht derzeit mit fetten (Buch-)Verlusten da. Wie so oft folgte auf den Rausch der Kater.

Manche Wasserstoff-Aktien sind schon wieder flott am steigen

Eine Aktie von Plug Power ist aktuell noch 22 Euro wert. Damit hat sie seit dem Rekordhoch zwei Drittel ihres Wertes verloren. Fast genauso sieht es bei der kanadischen Ballard Power oder der schwedischen Powercell aus.

Auffällig ist aber auch: Seit dem Tief im Mai haben sich die Kurse vieler Wasserstoff-Aktien stabilisiert. Manche haben sogar schon eine Trendumkehr hingelegt und sind bereits wieder flott am steigen. Steht der nächste Boom bevor?

Verschiedene Studien sagen voraus, dass das Geschäft mit umweltfreundlich erzeugtem Wasserstoff (sogenanntem grünen Wasserstoff) in den kommenden Jahren kräftig wachsen wird. Je nach Quelle ist von einem jährlichen Wachstum von 14 bis 54 Prozent die Rede. Allerdings gibt es beim Thema Wasserstoff noch viele offene Fragen, so dass man sich auf derlei Prognosen keineswegs verlassen sollte.

Wasserstoff kann vielfältig eingesetzt werden

Grüner Wasserstoff wird hergestellt, indem mit Strom aus erneuerbaren Energien Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Das geschieht mit Hilfe von Elektrolyseuren. Damit kann einerseits überschüssige erneuerbare Energie gespeichert und transportiert werden. Andererseits steht der gewonnene Wasserstoff prinzipiell für eine Vielzahl von Anwendungszwecken zur Verfügung.

Wasserstoff kann genutzt werden, um Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge anzutreiben. Er kann in der derzeit noch sehr kohlenstoffintensiven Stahlindustrie eingesetzt werden und er kann ins Erdgasnetz eingespeist und zum Beispiel verheizt werden. In den Niederlanden wird Letzteres gerade in einem Experiment getestet. Wo Wasserstoff ökonomisch und ökologisch am sinnvollsten eingesetzt ist, wird sich zeigen müssen.

Vielfach steht Wasserstoff in direkter Konkurrenz zu elektrischen Antrieben. Als CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kürzlich Tesla-Chef Elon Musk fragte, ob Wasserstoff oder Elektro die Zukunft des Autoantriebs sei, hatte dieser nur einen Lacher für den Politiker übrig. Wasserstoff sei reine Zeitverschwendung, sagte Musk. Für den Unternehmer ist klar, dass im Auto der Elektromotor die effizientere Technologie ist. Warum? Weil Strom nicht erst energieintensiv in Wasserstoff umgewandelt wird, um den Wasserstoff dann wieder in Strom zu verwandeln.

Wann ist Wasserstoff die überlegene Technologie?

Geforscht und gearbeitet wird aber an beiden Technologien. In Lagerhäusern von großen Logistikern wie Amazon und Walmart haben zum Beispiel die wasserstoffbetriebenen Gabelstapler von Plug Power den elektrischen Gabelstaplern den Rang abgelaufen. Warum? Weil sich die wasserstoffbetriebenen Gefährte blitzschnell aufladen lassen. Damit haben sie in den rund um die Uhr arbeitenden Lagern kaum noch Stillstandzeiten. Das wiederum macht den Kostennachteil der Wasserstofftechnologie wett.

Renault wiederum glaubt, dass Wasserstoff bei kleinen Transportern der richtige Weg sein könnte. Bei den Flugzeugbauern werden sowohl Elektro- als auch Wasserstoffantriebe erprobt. In der Stahlindustrie könnte sich Wasserstoff tatsächlich als Ersatz für Kohle durchsetzen. In der Schifffahrtindustrie schlägt das Pendel derzeit ebenfalls eher zugunsten von Wasserstoff als Ersatz für Schweröl aus. In der Chemie wird heute schon viel Wasserstoff eingesetzt, der allerdings noch aus fossilen Quellen stammt.

Ökologisch gesehen ist es am sinnvollsten, wenn der auf absehbare Zeit knappe grüne Wasserstoff dort eingesetzt wird, wo elektrischer Strom keine Alternative ist.

In Deutschland ist Wasserstoff besonders populär

Besonders populär ist das Thema Wasserstoff in Deutschland. Viele Bürger hier haben in Wasserstoff-Aktien investiert. Das Land hat aufgrund der politischen Förderung schon heute einen vergleichsweise höheren Anteil an der globalen Installation von grünem Wasserstoff. Im Juli 2019 wurden 11 Demonstrationsprojekte für grünen Wasserstoff in Deutschland genehmigt.

Viele weitere Projekte sind derzeit in der Pipeline. Großkonzerne wie Siemens, der Energieversorger RWE oder die Stahlkonzerne Thyssen-Krupp und Salzgitter treiben das Thema voran. Erste Wasserstoffzüge sind unterwegs. Und in Ostdeutschland arbeiten die Übertragungs- und Gasnetzbetreiber Ampiron und OGE an der Errichtung einer 100-MW-Elektrolyseur-Kapazität.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Fehlstarts für Wasserstoff gegeben”, schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in einem Report. “Dieses Mal könnte es anders sein.” Die jüngsten Erfolge der Photovoltaik, der Windenergie, der Batterien und der Elektrofahrzeuge hätten gezeigt, dass Politik und technologische Innovation die Kraft hätten, eine globale saubere Energiewirtschaft aufzubauen.

Preise für Wasserstoff könnten um 30 Prozent fallen

Die Energieagentur erwartet, dass aufgrund fallender Preise für Strom aus erneuerbaren Energien und der Industrialisierung der Wasserstofftechnologie die Herstellungskosten für Wasserstoff bis 2030 um ein Drittel fallen könnten. Das wiederum könnte die Verbreitung von Wasserstoff und das Marktwachstum antreiben.

Es ist in erster Linie diese Story, die Wasserstoff-Aktien antreibt. Denn fundamental haben die Wasserstoffunternehmen noch keine ausreichenden Erfolge vorzuweisen. Die Branche befindet sich noch immer in ihren Kinderschuhen. Sie baut ihre Kapazitäten auf und betreibt mit Hilfe staatlicher Förderung erste Pilotprojekte. Von der Gewinnzone sind die Unternehmen noch meilenweit entfernt.

Anleger sollte das hohe Risiko von Wasserstoff-Aktien bewusst sein

Wer in Wasserstoff-Aktien investieren möchte, weil er an die Technologie glaubt und frühzeitig dabei sein will, sollte sich bewusst sein, dass er das Risiko eines Totalverlustes eingeht. Welche Unternehmen sich letztlich durchsetzen werden, ist ebenfalls kaum absehbar. Es bietet sich an, breitgefächert zu investieren.

Der Börsen-Butler besitzt eine Reihe von reinen Wasserstofftiteln, die er alle vor dem großen Boom erworben hat. Während der krassen Kurssteigerungen hat er seine ursprünglichen Positionen größtenteils verkauft – mit zum Teil mehreren tausend Prozent Gewinn. Seine Restpositionen sind immer noch deutlich im Plus. Sie machen nach den Verkäufen aber nur noch einen kleinen Teil des Depots aus – so wie zuvor auch. Damit ist der Börsen-Butler am Wasserstofftrend beteiligt, ohne dass das Risiko zu groß ist.

Inzwischen gibt es Wasserstoff-ETF

Würde er heute erstmals in Wasserstoff-Aktien investieren, wäre der Erwerb von Einzeltiteln für ihn aber keine Option mehr. Inzwischen haben Fondsanbieter Wasserstoff-ETF auf den Markt gebracht, die eine gefächerte Investition in die Branche ermöglichen. Sich selbst ein Portfolio zusammenzustellen, ist damit nicht mehr nötig.

Breit aufgestellt ist der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF mit 32 Positionen. Die größten sind Plug Power, Cell Impact und Doosan Fuel Cell. Mit Kolon Industries oder Toyota Motors enthält der Fonds auch Unternehmen, die zwar im Wasserstoffbereich aktiv sind, aber die den größten Teil ihres Umsatzes mit anderen Geschäften machen. Das verleiht dem Fonds eine gewisse Stabilität. Gleichwohl wird das Risiko mit einer 6 auf einer Skala bis 7 angegeben. Der Fonds hat ein Volumen von einer knappen halben Milliarde Euro und ist seit Februar auf dem Markt. Mit einer Kostenquote von 0,49 sind die Gebühren angemessen.

Eine Alternative zum L&G Hydrogen Economy UCITS ETF ist der VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF. Er enthält insgesamt 25 Positionen, wobei die zehn größten fast 80 Prozent des Portfolios ausmachen. Am stärksten ist hier der deutsch-amerikanische Gasekonzern Linde mit 9,5 Prozent gewichtet, gefolgt von Plug Power und der Mitsubishi Chemical Holding, die jeweils auch mehr als neun Prozent ausmachen. Größtenteils handelt es sich bei dem Portfolio um reine Wasserstoffhersteller. Damit ist man noch unmittelbarer am Wasserstofftrend beteiligt, was das Risiko allerdings nochmal vergrößert (Einstufung 7). Der Fonds wurde im März aufgelegt und hat eine Kostenquote von 0,55 Prozent. Mit 50 Millionen Dollar Volumen ist der Fonds klein und damit der Anteilshandel weniger liquide als beim L&G Hydrogen Economy UCITS ETF.

Wo liegt der faire Wert für Wasserstoff-Aktien?

Wer zur Auflage der Fonds investiert hätte, wäre derzeit mit beiden Fonds jeweils etwa 20 Prozent im Minus. Wo letztlich der faire Wert für die Wasserstoffbranche zum heutigen Zeitpunkt ist, lässt sich kaum beurteilen. Der Markt scheint sich seit Mai nun aber auf einem Niveau eingependelt zu haben. Das kann zum Anlass genommen werden, mittels ETF eine Position in Wasserstoff-Aktien einzugehen. Es handelt sich hierbei um eine Langfristinvestition. Anleger müssen mit starken Kursschwankungen und dem Risiko hoher Verluste zurechtkommen. Idealerweise hält man Geld für Nachkäufe in der Hinterhand, falls es nochmal abwärts gehen sollte.

Für den Börsen-Butler machen Umschichtungen von seinen bestehenden Positionen in einen ETF aus steuerlichen Gründen derzeit keinen Sinn. Welche Titel der Börsen-Butler hält, sehen Abonnenten im Börsen-Butler-Depot.

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Der Börsen-Butler ist ein längjähriger Beobachter des Wirtschaftsgeschehens am Börsenplatz Frankfurt. Mit seinem Langfristdepot sorgt er mit Aktien fürs Alter vor. Hier berichtet er, welche Titel er kauft oder verkauft. Dabei setzt er auf seine Börsen-Butler-Strategie, die dafür sorgt, dass er auch bei Marktturbulenzen ruhig schlafen kann.

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