Ökobilanz von Papiertüten: Die Illusion vom Recyclingpapier

Statt auf Papiertüten sollten Verbraucher auf mehrfach nutzbare Tragetaschen umsteigen. Die Ökobilanz von Papier ist auch nicht gut.
Sieht nur aus wie Recycling: Braune Papiertüten werden extra hergestellt und eingefärbt. (Foto: Kristina Tripkovic)
Sieht nur aus wie Recycling: Braune Papiertüten werden extra hergestellt und eingefärbt. (Foto: Kristina Tripkovic)

Jetzt sind Plastiktüten endgültig aus den Supermärkten verschwunden. Das gilt jedenfalls für die Tragetaschen. Die aus dünnem Kunststoff gefertigten Tütchen für lose Ware dürfen ja weiter verwendet werden. Eine Entlastung der Natur bringt das Verbot sicher: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verbrauchte jeder Bundesbürger 2019 elf Plastiktragetaschen. Zusammengenommen waren es 878 Millionen Stück. Dazu kamen 44 der kleinen Tütchen pro Kopf, die es auch weiterhin geben wird.  

Nicht weiter schlimm das Teilverbot, denken sich viele Verbraucher. Schließlich liegen ja Papiertüten als Alternative an den Kassen bereit. Papier gilt als umweltfreundlich, weil es letztlich aus dem Naturstoff Holz hergestellt wird. Doch Fachleute sehen das ganz anders. „Auch Papiertüten sind Einwegtüten, die man in der Regel nicht mehrfach verwenden kann”, betonen etwa die Verbraucherzentralen. Bei Tragetaschen aus frischen Holzfasern würden wertvolle Rohstoffe für den einmaligen Gebrauch verschwendet.

Papiertüten schneiden bei der Ökobilanz enttäuschend ab

Und das ist in der Regel der Fall. Die Papiertaschen werden zwar so eingefärbt, dass das Material wie Recyclingpapier aussieht. Doch tatsächlich werden sie extra hergestellt. Die Ökobilanz der Papiertüten wird nach Einschätzung der Experten daher nicht besser ausfallen als die von Plastiktaschen. Das legen bisherige Studien auch nahe.

„In der Produktion für frisches Papier werden sehr viel Holz, extreme Mengen an Energie und Wasser sowie auch Chemikalien für Klebematerial und Druckfarben benötigt”, stellt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fest. Er kommt mit Blick auf wenige bisher veröffentlichte Studien zu einem ernüchternden Fazit: „Die Papiertüte hat eine schlechtere Umweltbilanz als eine Kunststofftüte.”

Die Bilanz ändert sich, wenn die Tüten auf dem Müll landen. Papier wird vergleichsweise schnell biologisch abgebaut. Bei Plastik dauert dieser Prozess viele Jahre. Die Folge ist unter anderem eine wachsende Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll. Kleinstteilchen von Plastik, so genanntes Mikroplastik, gerät so in die Nahrungskette und könnte am Ende auch für den Menschen gefährlich werden.  

Taschen möglichst lange benutzen – unabhängig vom Material

Eines haben alle Taschen gemeinsam, egal aus welchem Material sie bestehen. „Wenn Stoffbeutel oder Papiertüten nur einmal benutzt werden, sind sie nicht besser für die Umwelt als Plastiktüten”, stellt das Umweltbundesamt (UBA) fest. Daher raten die Experten der Behörde dazu, Tüten möglichst oft zu benutzen: „Jede nochmalige Verwendung erspart der Umwelt die Herstellung einer neuen Tüte”. Das Amt rät Verbrauchern, für alle Fälle eine faltbare Reservetasche mitzunehmen. Damit kann ein Spontaneinkauf dann ohne neue Tüte problemlos transportiert werden.

Noch sind viele alte Plastiktaschen im Umlauf. Auch diese sollten möglichst lange genutzt werden. Und wenn sie tatsächlich ausgedient haben, gehören die Reste nicht in die freie Natur. „Über den gelben Sack der die gelbe Tonne können ausgediente Plastiktüten dem Recycling zugeführt werden”, erklärt das Amt.

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