Balkon-Solaranlage: Das Kraftwerk für Zuhause

Mit Balkon-Solaranlagen lässt sich leicht ein Teil des eigenen Stromverbrauchs erzeugen. Wirtschaftlich rentabel sind die Anlagen erst nach einigen Jahren.
Strom vom eigenen Balkon: dank der Balkon-Solaranlage ist das möglich. (Foto: Ricardo Gomez)
Strom vom eigenen Balkon: dank der Balkon-Solaranlage ist das möglich. (Foto: Ricardo Gomez)

Selbst im düsteren Dezember reichte ein kleines Solarmodul in der Größe einer Din-A-4-Blattes gelegentlich aus, den Akku des Handys aufzufüllen. Dabei stand es sogar noch im Raum hinter der Fensterscheibe. Es gelingt also, selbst im Kleinformat das Sonnenlicht für sich nutzbar zu machen. Wie viel mehr kommt dann wohl erst im Sommer mit einer größeren Anlage heraus, die draußen installiert die Energie einfängt und in Strom umwandelt.

Eine Balkon-Solaranlage soll her. So lautet der Auftrag des Selbstversuchs, der zunächst einmal zu Angeboten für die Minikraftwerke führt. Es gibt sie schon für ein paar hundert Euro und an Angeboten im Internet oder auch bei Fachgeschäften mangelt es nicht. In der Regel kosten sie zwischen 350 Euro und 500 Euro. Die Module gibt es in verschiedenen Formaten. Manche sind sogar extrem dünn und biegsam. So passen sie auch auf kleinem Raum. Komplettanlagen sind in der Regel leicht zu installieren. Module und Wechselrichter werden auf dem Balkon angebracht – ähnlich wie die Kleinwindanlagen für die eigenen vier Wände. Mit einem normalen Stecker wird die Anlage dann mit der nächsten Steckdose verbunden. Schon kann der Strom ins Hausnetz fließen. Dort wird er von laufenden Geräte wie dem Kühlschrank sofort auch wieder verbraucht.

Mit der Balkon-Solaranlage 120 Euro jährlich sparen – im Idealfall

„Für den Betrieb der Waschmaschine reicht der Ertrag nicht”, dämpft der Verkäufer eines Spezialgeschäfts die Erwartungen gleich. Die fehlende Energie holt sich die Maschine weiterhin vom Versorger aus dem Stromnetz. Doch der Verbrauch der Kunden sinkt und damit ihre Stromrechnung. „Ein Standardsolarmodul mit 300 Watt Leistung liefert etwa 200 Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr”, erläutert die Verbraucherzentrale. Voraussetzung sei ein schattenfreier Balkon. Diese Kleinanlagen dürfen nicht mehr als 600 Watt Leistung abgeben.

Bei zwei Modulen auf dem Balkon könnten also 400 Kilowattstunden im Jahr herauskommen. Bei einem Preis von 30 Cent pro kWh, die sonst an den Versorger bezahlt werden müssten, summiert sich die jährliche Ersparnis damit im Idealfall auf 120 Euro. Damit wären die Anschaffungskosten nach einigen Jahren wieder drin. In der Praxis wird ein Teil des Stroms jedoch nicht selbst verbraucht, sondern ohne Vergütung ins örtliche Netz eingespeist. Das schmälert den finanziellen Vorteil. Im Gegensatz zu den leistungsstarken Solaranlagen, die gegen eine Vergütung Strom produzieren, sind die Kleinanlagen auch von der Stromsteuer befreit.

Balkon-Solaranlage nur unter Auflagen erlaubt

Ganz ohne Bürokratie darf die Balkon-Solaranlage nicht in Betrieb gehen. So muss der Hausbesitzer oder die Eigentümergemeinschaft die Anlage erlauben. Sie muss mit einem Formular beim örtlichen Netzbetreiber angemeldet werden. Die Vordrucke stellen die Versorger oft schon online bereit. Auch die Bundesnetzagentur registriert die Steckeranlagen im so genannten Markenstammregister. Wer sich daran nicht hält, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Eine weitere Hürde ist womöglich der Stromzähler. Das Messgerät muss für eine Steckeranlage geeignet sein, darf also zum Beispiel nicht rückwärts laufen, wenn der eingespeiste Strom nicht direkt verbraucht wird. Ob das der Fall ist, kann bei der Netzgesellschaft erfragt werden. „Sie brauchen einen Zweirichtungszähler”, antwortet das Stromnetz Berlin auf eine Anfrage. Ein anerkannter Installateur müsse mit dem Austausch beauftragt werden. Die Kosten übernehme die Netzgesellschaft. Das ist auch bei anderen Versorgern die Regel. Eventuell ist noch eine spezielle Steckdose erforderlich. Grundsätzlich sollte der Schukostecker bei Kleinanlagen allerdings reichen. Sicherheit geht vor. Die Verbraucherzentralen raten daher zum Kauf einer steckerfertigen Anlage, die den DGS-Sicherheitsstandard einhält.

Solaranlagen als Insellösung

Sind die Formalitäten erledigt, kann der Strom endlich fließen. Die Energie muss nicht unbedingt in das Hausnetz eingespeist werden. Eine Alternative ist die Speicherung der Elektrizität in einer Powerstation, wie die Akkus heißen. Leistungsfähige Stationen sind jedoch noch recht teuer. Sie kosten teils deutlich mehr als 1.000 Euro. Doch dafür kann der Strom unabhängig von einem vorhandenen Netz geerntet werden. Das kann beim Camping oder im Schrebergarten ohne Netzanschluss sehr hilfreich sein. Denn auch als Insellösung fernab eines öffentlichen Stromnetzes eignen sich die schnell aufgebauten Minikraftwerke.

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