Altersvorsorge: Inflation gefährdet die private Rente

Die Inflation sorgt dafür, dass die private Altersvorsorge an Wert verliert. Ein Ratgeber, wie die Rente aufgebessert werden kann.
Die steigende Inflation senkt die Kaufkraft der zukünftigen Renten. (Foto: CDC)
Die steigende Inflation senkt die Kaufkraft der zukünftigen Renten. (Foto: CDC)
Die Preise steigen auf breiter Front. Teure Energie und höhere Ausgaben für Butter, Wurst, Obst und Gemüse leeren die Haushaltskasse immer schneller. Diese aktuelle Entwicklung mag vor allem dem Krieg und den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie geschuldet sein. Doch hat sie unabhängig davon wohl auch eine unerfreuliche Langzeitwirkung: Die private Altersvorsorge verliert an Wert. Das macht sich im Rentenalter womöglich schmerzlich bemerkbar. Die Infation schadet der Kaufkraft der Privatrente. Welche Möglichkeiten gibt es, trotz Inflation der Rente und Altersvorsorge vorzusorgen? Ein Ratgeber.

Wir wirkt sich die Inflation auf die private Rente aus?

Das lässt anhand von Rechenbeispielen leicht erklären. Angenommen, die garantierte private Zusatzrente aus einer Versicherung oder aus einem Riester-Vertrag beträgt bei einem Neurentner heute 250 Euro und die Inflationsrate bleibt auf dem aktuellen Niveau von rund sieben Prozent. Dann nimmt die Kaufkraft dieser monatlichen Zahlung mit den Jahren schnell ab, weil für Waren und Dienstleistungen ja immer mehr verlangt wird. Nach fünf Jahren müsste der Rentner für dieselben Produkte und Leistungen 350 Euro aufbringen. Oder anders gerechnet: Die Kaufkraft von 250 Euro vom Anfang sinkt in fünf Jahren auf 178 Euro, in zehn Jahren auf nur noch 127 Euro. Man sieht: Die Inflation hat erhebliche Auswirkungen auf Rente und Altersvorsorge.

Können heute 65-jährige dagegen etwas unternehmen?

Gegen diesen Kaufkraftverlust können die Verbraucher, die heute in den Ruhestand gehen, wenig tun. Bei Privatrenten besteht in der Regel ein Kapitalwahlrecht am Ende des Vertrags. So ist es möglich, sich das angesparte Vermögen auf einen Schlag auszahlen zu lassen und dafür eine besser verzinste Anlage zu suchen. Bei Riester-Renten ist diese Möglichkeit begrenzt. Die Sparer dürfen maximal 30 Prozent des Vermögens herausziehen. Ein großer Nachteil ist auch, dass der Betrag voll versteuert werden muss. Bei anderen Privatrenten hängt die Besteuerung vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ab. Bei Verträgen, die vor 1995 abgeschlossen wurden, ist die Auszahlung noch steuerfrei. 

Was raten Experten für die Anlage des Vermögens?

Bei der Kapitalauszahlung einer Lebens- oder Rentenversicherung stellt sich die schwierige Frage, wie dieses Geld zugleich sicher und gut verzinst angelegt werden kann.  Herrmann Tenhagen, Chef des Verbraucherportals Finanztip, empfiehlt jenen, die eine Zusatzrente nicht zur Deckung der wichtigsten Lebenshaltungskosten wie der Miete brauchen, zu einer Anlage in ETF, also Aktien. „Ich entnehme jedes Jahr vier Prozent aus dem Vermögen für die Aufstockung der Rente”, erläutert er. Läuft es an der Börse länger schlecht, werde diese Entnahme verringert, laufe es gut, kann es mehr sein. Ungeeignet ist diese Strategie, wenn die Zusatzeinkunft für Zahlungen wie die Miete benötigt wird und der Sparer deshalb auf Nummer sicher gehen muss. Wie die ETF funktionieren, wird auf Tenhagens Portal erläutert

Welche Möglichkeiten bleiben Arbeitnehmern vor der Rente?

Arbeitnehmer, deren Ruhestand noch nicht ansteht, können noch anders reagieren. Inflation bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Altersvorsorge und Rente gefährdet ist. Die Beispielrechnung zeigt, dass sie statt 250 Euro eine Zusatzrente von 350 Euro bräuchten, um sich nach fünf Jahren Rente noch dasselbe kaufen zu können. Sie müssten dafür also monatlich deutlich mehr Geld zur Seite legen. Wie viel genau, hängt von der verbleibenden Zeit bis zum Rentenalter und der jeweiligen Geldanlage ab. Grundsätzlich gilt, dass ein Ausgleich des zu erwartenden Kaufkraftverlustes leichter fällt, je weiter entfernt das Rentenalter noch ist. 

Schon über 50 und kein Mut zu Aktien?

In diesem Fall gibt es eine gute Möglichkeit, das für das Alter angesparte Vermögen halbwegs inflationssicher anzulegen. Ab diesem Alter können Arbeitnehmer freiwillige Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung bezahlen. „Das ist eine gute Idee”, sagt Tenhagen. Diese Regelung dient eigentlich dem Ausgleich für Rentenabschläge bei einem vorzeitigen Ruhestand. Doch wenn der Versicherte gar nicht früher in Rente geht, erhöht sich automatisch der spätere Rentenanspruch. Wie viel man dafür einzahlen muss, errechnet die Rentenversicherung individuell. Das Modell hat zwei Vorteile. Die zusätzlichen Einzahlungen können bis zu einem individuell unterschiedlichen Betrag von der Steuer abgesetzt werden. Und die gesetzlichen Renten steigen später regelmäßig und gleichen die Teuerung zumindest teilweise aus. 

Inflation, Rente und Altersvorsorge: Welche Strategie eignet sich für Jüngere?

Auf lange Sicht sind Aktienanlagen die ertragreichste Methode, ein Vermögen für das Alter aufzubauen. Selbst bei zeitweilig starken Turbulenzen an den Börsen, wie sie auch derzeit zu beobachten sind, liefern Aktienfonds oder ETF die besten Renditen. Schon mit geringen Beträgen im Monat kommt langfristig ein ansehnlicher Betrag zusammen, der zumindest die Auswirkungen der Inflation ausgleichen sollte. Hinter Aktien stehen Sachwerte wie zum Beispiel Betriebsgrundstücke oder Maschinen, denen Inflation nichts anhaben kann. 

Sollte man jetzt noch einen Riester- oder eine anderen Privatrentenvertrag abschließen?

Die Riester-Rente lohne sich nur wegen der Förderung, sagte Tenhagen. Vor allem wenn es diese auch für ein oder mehrere Kinder gibt. Ansonsten rät der Experte von privaten Rentenversicherungen in der aktuellen Situation ab. 

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