Energie/Umwelt

Faktencheck: „Der Ausbau der Bahn kommt voran“

Im Wahlkampf müssen sich die Politiker den Fragen der Bürger stellen auch im Fernsehen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wurde gefragt: „Warum kommt der Ausbau der Bahn nicht voran?“ Seine Antwort: „Der Ausbau der Bahn kommt voran! Und er geht schnell.“ Wirklich? Der Journalistico-Faktencheck.

Was ist mit dem Ausbau der Bahn gemeint?
Das geht weder aus der Frage noch aus der Antwort hervor. Gemeint können sowohl der Schienenverkehr insgesamt sein, als auch die Deutsche Bahn als Staatsunternehmen. Konkret kann es um die Erweiterung des Schienennetzes gehen, den Bau von Bahnhöfen, die zusätzliche Bereitstellung von Zügen, und im weiteren Sinne auch um ein besseres Dienstleistungsangebot, also Pünktlichkeit oder Internet im Zug. Wir stellen die Deutsche Bahn auf den Prüfstand, da sie mit Abstand der größte Anbieter ist, das Schienennetz betreibt und in die Verantwortung des Bundesverkehrsministers fällt. Zugrunde liegen dem Check, falls nicht anders vermerkt, die Kennzahlen der Bahn.

Fahren mehr Menschen mit der Deutschen Bahn?
Ja. Seit 2013 sind die Passagierzahlen von 2,235 Milliarden auf 2,365 Milliarden gestiegen. 2005 waren es sogar erst 1,785 Milliarden Passagiere. Im Fernverkehr wurde mit 139 Millionen Reisenden ein Rekord erreicht. Bis 2030 sollen 50 Millionen weitere Fahrgäste hinzukommen.

Wächst auch das Schienennetz?
Nein. Es schrumpft, ganz leicht. 2013 hatte das Streckennetz noch eine Gesamtlänge von 33.448 Kilometern. Inzwischen sind es noch 33.380 Kilometer. Ein Rückgang um 0,2 Prozent. Seit mindestens 2007 hält der Abwärtstrend an (-1,76 Prozent).

Wie viel wird ins Schienennetz investiert?
So viel wie noch nie: 7,5 Milliarden Euro fließen in diesem Jahr in Gleise und die weitere Infrastruktur. Grundlage dafür ist eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund, mit der das „größte Infrastruktur-Modernisierungsprogramm in der Bahngeschichte“ vorangebracht werden soll. 2016 sind die Infrastrukturmängel im Vergleich zu 2010 um 55 Prozent zurückgegangen.

Bietet die Bahn weniger Fahrten an?
Nein. Seit 2013 ist die Betriebsleistung im Schienenpersonenverkehr von 765,8 Millionen auf 775,6 Millionen Trassenkilometer gestiegen. Die Verkehrsleistung in Personenkilometern (beförderte Passagiere mal mittlere Reisedistanz) stieg von 88,746 Milliarden auf 91,651 Milliarden. Allerdings ging sie im Regionalverkehr zuletzt deutlich zurück, alleine von 2015 auf 2016 von 42,7 auf 40,9 Milliarden Personenkilometer. Die Hauptursache dafür waren nach Angaben der Bahn die verlorenen Ausschreibungen im Bestandsgeschäft. Insgesamt waren inklusive Wettbewerber noch nie so viele Züge im deutschen Schienennetz unterwegs.

Wie entwickelt sich der Schienengüterverkehr?
Deutlich rückläufig. 2013 wurden noch 390.1 Millionen Tonnen befördert, im vergangenen Jahr waren es trotz deutlichem Wachstum der Gesamtwirtschaft nur noch 277,4 Millionen Tonnen.

Wird die Bahn pünktlicher?
Ja, der Anteil der Züge, die mit weniger als sechs Minuten Verspätung ankommen und damit als pünklich gelten, ist seit Juli 2013 von 92,3 auf 94,1 Prozent gestiegen. 78,9 Prozent der Fernzüge und 92,7 Prozent der Regionalzüge kommen pünktlich an. Sogenannte Planstart-Teams sollen für eine weitere Verbesserung der Pünktlichkeit sorgen.

Wird die Bahn sauberer?
Rund 250 ICE, knapp 200 Loks und rund 1400 Reisezugwagen im Fernverkehr wurden zuletzt überholt. Auch in die Reinigung der Toiletten hat die Bahn investiert.

Gibt es endlich Internet im Zug?
Ja, zumindest in allen ICE. Die Benutzung ist kostenlos. Im Regionalverkehr wird an kostenfreiem Wlan noch gearbeitet.

Wie sieht es mit den Bahnhöfen aus?
Der Staatskonzern hat die Bahnhöfe in seinem Besitz in der abgelaufenen Legislaturperiode weiter reduziert: von 5668 im Jahr 2013 auf noch 5662 im vergangenen Jahr. Ein minimaler Rückgang. Seit 2007 beträgt der Rückgang 37.

Arbeiten mehr Menschen für die Deutsche Bahn?
Ja, die Zahl der Beschäftigten ist seit 2013 von 295.700 auf 306.400 gestiegen. Diese Mitarbeiter werden aber nicht alle im inländischen Schienenverkehr eingesetzt, sondern zum Beispiel auch bei ausländischen Töchtern oder in anderen Logistikbereichen.

Was ist von Dobrindts Äußerung zu halten?
Es tut sich was bei der Bahn, keine Frage. Tut sich genug? Und tut sich schnell was? Schwierige Fragen.

 

 

 

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